Jesaja 51 – wachgeküsst

Interessant: Nachdem ich gestern über Frust und Müdigkeit geschrieben habe, kommt im heutigen Kapitel zweimal der Ruf „Wach auf!“ (und am Anfang von Jes. 52 noch einmal). In V.9 ist der Ruf eine eindringliche Bitte des Volkes an Gott: Er soll aufwachen und eingreifen. Er soll so handeln, wie er bei der Schöpfung gehandelt hat. Er soll so handeln wie bei der Befreiung aus Ägypten. In V.17 ist der Ruf „Wach auf!“ eine Aufforderung an die Israeliten, die von ihrem Leid betrunken und müde sind. Es ist Zeit aufzuwachen und die Mutlosigkeit abzuschütteln.

Mir tut es gut zu lesen, dass wir so mit Gott reden dürfen: „Wach doch endlich auf, Tu doch etwas! Greif ein und hilf!“ Ich glaube dieses Klagen und Fragen hat bei uns heute zu wenig Platz. Es geht in vielen Gottesdiensten nur um Lobpreis, worship, Halleluja, Jubel, Freude, Zuversicht, Hoffnung,… Aber wo hat die Klage ihren Platz? Muss neben der Anbetung nicht auch das ehrliche Fragen, die Verzweiflung ihren Ausdruck finden? Schauen wir uns das Lobpreisliederbuch der Israeliten an: In den Psalmen wird viel gelobt und gepriesen. Aber es wird auch viel geklagt. Wo tun wir das in unseren Gottesdiensten? Warum gibt es so viele moderne Halleluja-Lieder und so wenig moderne Klage-Lieder? Versuchen wir uns da selbst mit der Theorie des Positiven Denkens aus dem Sumpf zu ziehen? Versuchen wir das Negative einfach zu verdrängen und unter den Teppich zu kehren, weil das als Christ halt nicht vorkommen darf?

„Wach auf!“ gilt aber auch mir selbst. Die Versuchung einzuschlafen, nachzulassen, sich dem scheinbar süßen Schlaf der Gottlosigkeit hinzugeben ist groß. „Küss mich wach, Herr, wie der Prinz die Prinzessin wach küsst. Schenk mir die Kraft schon mitten im Dunkel die Kraft der aufgehenden Sonne zu erkennen.“

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