Jesaja 47 – Ein kleiner Babylonier

Also, es kommt doch noch mal ein „Gerichtskapitel“ im Jesajabuch, hatte gehofft, dass ich das hinter mir hätte…;) Natürlich gelten die Gerichtsworte den bösen Babyloniern, die Jerusalem zerstört und die viele Israeliten ins Exil geführt haben. Aber dafür können sie ja nicht zur Verantwortung gezogen werden, weil das Gottes Wille war: „Als ich über mein Volk zornig war und mein Erbe entheiligte, gab ich sie in deine Hand.“ (Jes.47,6) Der Vorwurf lautet, dass die Babylonier den Gefangenen keine Barmherzigkeit erwiesen und dass sie sich zu selbstherrlich sahen. Babylon spricht in seinem Herzen: „Ich bin’s, und sonst keine.“ (Jes. 47,8)

Ich fürchte, dass ich oft auch so ein kleiner Babylonier bin. Nicht dass ich irgendwelche Leute im Keller gefangen halte (Schrecklicherweise geschieht das ja auch noch heute: welche Abgründe stecken in uns Menschen, dass so etwas möglich ist?), nein, das nicht, aber dieser Gedanke: „Ich bin’s und sonst keiner“, der steckt doch in jedem von uns. Jeder steht im Mittelpunkt seines eigenen kleinen Universums. Das muss ein Stück weit auch so sein und kann gar nicht anders sein, weil ich die Welt nur aus meiner Perspektive wahrnehmen kann. Aber wohl dem, der immer wieder auch etwas anderes in den Mittelpunkt stellen kann, der sich nicht nur um sich selbst dreht, sondern der sich um die Liebe drehen kann, der Gott in den Mittelpunkt stellen kann.

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