Jesaja 28 – Wenn Gott brüllt
von windhauch
Es geht in Jesaja 28 wieder mal um Jesajas Hauptthema: Das Gericht Gottes. Nach den vielen Kapiteln mit Gerichtsaussagen kann ich so langsam den Unmut der Zeitgenossen Jesajas verstehen: Immer nur von diesem richtenden Gott zu hören, geht mit der Zeit ganz schön auf die Nerven… (Wobei ja bei Jesaja immer wieder auch Gottes Liebe und Treue aufleuchtet). Die Leute damals konnten und wollten das wahrscheinlich nicht mehr hören. Zumal es da ja auch noch andere Propheten gab, welche die Leute beruhigt hatten: “Alles halb so wild. Gott wird uns beschützen, er wird doch sein auserwähltes Volk nicht vor die Hunde gehen lassen. Er wird doch wohl nicht zulassen, dass die heilige Stadt Jerusalem von Feinden eingenommen und zerstört wird!” Hat er dann aber doch zugelassen…
Was ich in dem Kapitel spannend fand ist eine Formulierung, mit der Gottes Handeln im Gericht umschrieben wird: “fremd ist sein Werk” (Jes. 28,21) Wenn Gott so handelt und die Menschen die er liebt scheinbar im Stich lässt, dann wird er uns fremd. Dann ist er nicht mehr der vertraute, liebevolle und gütige Gott, sondern dann bekommt er ein dunkles und fremdes Angesicht. Aber vielleicht ist dieses Werk des Gerichts nicht nur für uns fremd, sondern auch für Gott selbst. Vielleicht tut es auch ihm selbst weh, so zu handeln. Vielleicht fühlt er sich dabei selbst nicht wohl in seiner Haut. Warum handelt er dann so? Vielleicht weil es nicht anders geht…
Einer unserer Söhne lebt manchmal in seiner eigenen Welt. Man sagt ihm etwas und er hört es nicht (oder er will es nicht hören). Man sagt es noch einmal: Keine Reaktion. Beim dritten mal wird man dann schon etwas lauter und versucht ihn an der Hand festzuhalten und ihm in die Augen zu schauen. Manchmal kommt erst dann die Botschaft bei ihm an. Was ist allerdings, wenn er in Gefahr ist und z.B. mal wieder im Begriff ist, ohne nach links oder rechts zu schauen, auf die Straße zu rennen? Dann muss ich ihn anbrüllen. Richtig heftig und zornig. Ich mag das nicht, ihn so anzubrüllen. Es ist ein “fremdes Werk”. Aber es ist notwendig. Bevor es zu spät ist…


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