Jesaja 21 – Unbequeme Schmerzen

Wie schon in Kapitel 13 kommt Jesaja auf den großen Erzfeind von Israel und Juda zu sprechen: Babylon. Die Bilder dieser Vision sind zum Teil schwer zu deuten, aber die wesentliche Aussage ist klar: Babylon wird untergehen (und so ist es dann ja auch später geschehen).

Interessant in diesem Kapitel ist für mich aber, was der Prophet über sich selbst sagt. Normalerweise treten die alttestamentlichen Propheten ganz hinter ihre Botschaft zurück. Was sie selbst denken und empfinden ist nicht so wichtig. Sie selbst spielen oft nur eine Rolle, wenn sie mit ihrem Leben die Botschaft verdeutlichen sollen (wie z.B. Hose eine Hure heiratet, um Gottes Liebe zum abtrünigen Volk deutlich zu machen). Aber hier zeigt Jesaja Gefühle. Er hat eine Vision vom richtenden Gott und er schreibt: „Darum sind meine Lenden voll Schmerzen, und Angst hat mich ergriffen wie ein Gebärende. Ich krümme mich, wenn ich’s höre, und erschrecke, wenn ich’s sehe. Mein Herz zittert, Grauen hat mich erschreckt; auch am Abend, der mir so lieb ist, habe ich keine Ruhe.“ (Jes. 21,3f)

Er sieht den richtenden Gott, er sieht den Untergang Babels, aber er ist nicht voller Genugtuung und Schadenfreude, sondern er ist angesichts dieses Gottes erschüttert und bis ins Innerste aufgewühlt. Er leidet an seiner Botschaft und kann doch nicht anders, als diese Botschaft weiter zu geben. Ich merke, dass ich kein Jesaja bin – viel zu feige und zu bequem. Lieber das erzählen, was die Leute hören wollen. Allerdings erlebe ich Gott auch nicht als diesen zornigen Richter, sondern mehr als liebenden Vater. Vielleicht könnt ich ihn anders gar nicht ertragen…

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