Jesaja 10 – Wider die Kuschel-Gerechtigkeit

Nur ein Rest wird umkehren. Nur wenige werden sich Gott zuwenden. Und den Anderen, dem Großteil, der Masse wird Vernichtung angesagt: „Verderben ist beschlossen und bringt Fluten von Gerechtigkeit“ (Jes. 10,22) An diesem Vers blieb ich hängen. Gott als derjenige der Verderben beschließt und der gerade so Gerechtigkeit herstellt. Verderben und Gerechtigkeit – in einem Atemzug. Das passt so gar nicht in mein Gottesbild, das passt so gar nicht zu unseren heutigen Vorstellungen von Gerechtigkeit.

Gerechtigkeit ist für uns ein positiver Begriff. Wer verlangt denn nicht nach mehr „sozialer Gerechtigkeit“. Aber es gibt nicht nur die Kuschel-Gerechtigkeit, sondern auch die „herbe Gerechtigkeit“ (so schreibt die Wuppertaler Studienbibel zu dieser Stelle). Jeder bekommt was er verdient. Und natürlich denken wir: Wir, und ganz besonders ich, wir verdienen Gutes, Schönes und Angenehmes. Es ist doch nur gerecht, wenn es mir gut geht, das steht mir doch zu. Es ist doch nur gerecht, wenn Gott mich liebt und mir verzeiht.

Aber wenn jeder bekommt, was er verdient, dann kann das auch ganz anders aussehen. Wenn Gottes Gerechtigkeit das Land flutet, dann gibt es keine Kuschel-Gerechtigkeit mehr. Dann zerfällt unsere Selbstgerechtigkeit wie ein Kartenhäuschen.

Ich bin froh, dass zwischen Gottes herber Gerechtigkeit und mir, ein geschundener Mann am Kreuz hängt. Ich bin froh, dass ich nicht bekomme, was ich verdiene, sondern dass ER bekommt, was ich verdiene…

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