Jeremia 7, 1-15 Wortklaubereien

In V. 3 ist eine der wenigen Stellen, an der unterschiedliche Bibelübersetzungen aufgrund unterschiedlicher Handschriften auch unterschiedlich übersetzen. Wir haben ja heute nicht mehr die Originalhandschriften von Jeremia vorliegen (bzw. von seinem Schreiber Baruch), sondern wir haben Abschriften von Abschriften von Abschriften… und wir haben Abschriften von früheren Übersetzungen der Texte. Da schleichen sich natürlich immer wieder auch Fehler beim Abschreiben ein. Erstaunlich ist bei diesem ganzen Abgeschreibsel, dass es nur so wenige Stellen in der Bibel gibt, an denen man sich tatsächlich nicht ganz sicher ist, wie das Original lautete.

Hier in V.3 folgt Luther und auch die Einheitsübersetzung einer alten griechischen sowie der lateinischen Übersetzung des Textes. Dort steht, dass Gott an diesem Ort (dem Tempel in Jerusalem) wohnen wird, wenn die Israeliten ihr Leben und Tun verändern. Die meisten anderen Übersetzungen folgen den hebräischen Handschriften, die hier schreiben, dass Israel an diesem Ort (Jerusalem) wohnen bleiben darf, wenn sie sich verändern. Macht jetzt aber keinen großen Unterschied, denn das wichtigste ist ja die Aufforderung, dass die Zuhörer ihr Leben und Handeln verändern sollen.

Das zeigt mir mal wieder, dass es Gott nicht um den äußeren Buchstaben geht, denn sonst hätte er irgendwie für einen einheitlichen Text gesorgt. Es geht um die Bedeutung der Texte und darum diesen Sinn der Bibel im Leben auch umzusetzen (und nicht um irgendwelche Wortklaubereien). So wie es zur Zeit Jeremias auch nicht um den äußerlich sichtbaren Tempel ging (und einer falschen Selbstverständlichkeit von Gottes Gegenwart im Tempel), sondern um ein Leben, das der Gegenwart Gottes auch entspricht. Wenn das praktische Leben nicht stimmt, dann nützt der schönste Tempel nichts…
Bibeltext

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5 Gedanken zu „Jeremia 7, 1-15 Wortklaubereien“

  1. „sonst hätte er irgendwie für einen einheitlichen Text gesorgt.“ Und das ist genau der Grund, warum ich die ganzen Diskussionen nicht verstehe. Die Menschen machen Gott immer zu einem fehlbaren Menschen oder so einem „Freizeit“-Gott.

    Mein Gott ist allmächtig. Mein Gott kann alles. Es ist für ihn kein Problem sein Wort, seine Botschaft an uns bis heute zu bewahren.

    Das macht die Bibel für mich zu einem besonderen Buch. Ich habe hunderte von Büchern gelesen, meine Wohnung ist voll damit. Man kauft ein Buch, liest es und fertig. Die Bibel ist anders. Wenn man sich mal darauf eingelassen hat, dann ist es ein Buch für die Ewigkeit – man wird nie fertig damit.

    Für mich ist die Bibel wirklich ein Geschenk von Gott. Ihr Wert hat sich durch die Jahrhunderte nicht verändert – egal welche Übersetzung man nimmt (von Luther 1912 – Volxbibel) – es ist doch letztlich immer Gott der zum suchenden Herzen spricht …

      1. Ja, „man wird nie damit fertig“ ist wirklich gut beschrieben von Quincy:

        „Unsearchable riches of Christ“

        „Unausforschlicher Reichtum des Christus“
        (Eph.3,8)

        genau so ist das Wort Gottes.

  2. „Das Wort sie sollen lassen stahn.“, so Luther. Bibelkritik ist da angebracht, wo sie mich meint und nicht zum Selbstzweck führt.
    G’tt wohnt immer da, wo ich IHN suche und SEine Rechte halte bzw. SEine „Leitplanken“ (Gebote) achte.

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