Jeremia 6, 16-30 Frustrierender Job

Jeremia wirkte als Prophet über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten. Seine Berufung geschah 626 oder 627 v. Chr. und er wirkte bis zum Untergang Jerusalems 587 v. Chr. (vgl. dazu Jer. 1,2-3). Das Tragische bei Jeremia ist, dass ihm schon relativ früh klar wurde, dass niemand auf seine Aufrufe zur Umkehr hören würde. Der heutige Abschnitt ist schon so etwas wie ein Fazit seiner Verkündigung: Die Israeliten wollen nicht umkehren (V.16-17), „sie sind ganz und gar abtrünnig und wandeln verleumderisch“ (V.28).

Angesichts dieser Uneinsichtigkeit ist seine Aufgabe nicht mehr die, Israel zu erneuern, sondern er ist nur noch ein „Prüfer“ (V.27), der feststellt, dass Gott sein Volk verworfen hat (V.30). Er kann nicht viel mehr tun, als die Sünde aufdecken.

Oh Mann! Was für eine frustrierende und deprimierende Aufgabe! Verständlich, dass Jeremia so manche inneren Kämpfe durchzustehen hatte. Und doch: Was für eine Treue! Über Jahrzehnte hat er sich immer wieder von Gott gebrauchen lassen, trotz aller innerer Zweifel und äußeren Anfeindungen. Er hät‘ ja auch sagen können: „Hey Gott, wenn das ganze eh nichts bringt, dann lassen wir’s doch gleich bleiben und wir ersparen uns beide jede Menge Ärger. Ich hab keine Lust darauf, mir mein restliches Leben mit diesem Job zu ruinieren und dann doch keine Ergebnisse zu sehen.“ Hat er aber nicht – zum Glück für uns und viele andere Bibelleser…
Bibeltext

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