Jeremia 51, 34-64 Ja, was denn nun?

Wieder einmal zeigt sich, dass die Bibel kein Gesetzbuch mit abstrakten und zeitlosen Gesetzen ist, sondern ein Buch der Geschichte Gottes mit seinem Volk. Natürlich haben wir auch in der Bibel Gebote, die unabhängig von Umständen und Zeit allgemein gültig sind (z.B. das Gebot der Nächstenliebe und Gottesliebe – das ist so allgemein, dass es zu allen Zeiten und Umständen gilt). Aber es gibt auch viele Gebote, die in eine bestimmte Situation und Zeit hinein gesprochen sind. Unsere Aufgabe ist es dann, was diese Gebote für unsere Zeit und Situation bedeuten könnten.

In Jer. 29,4-7 fordert der Prophet die Juden im Exil noch auf, sich in Babylonien häuslich einzurichten, sie sollen Häuser bauen, Gärten anlegen und Kinder kriegen. Sie sollen der Stadt Bestes suchen. In Kap. 51 fordert Jeremia seine Landsleute dagegen auf: „Zieh aus von dort, mein Volk“ (V.45), und: „So zieht nun hin, die ihr dem Schwert entronnen seid, und haltet euch nicht auf! Gedenkt des Herrn in fernen Lande und lasst euch Jerusalem im Herzen sein!“

Ja, was denn nun?! Dort bleiben und das Beste für Babylonien suchen oder fliehen und Jerusalem im Herzen haben? Beides sind gültige Gebote Gottes, nur eben für eine unterschiedliche Zeit. Zu Beginn des Exils war es wichtig, dass die Juden sich auf einen längeren Aufenthalt in Babylonien einstellen. Aber die Zeit dort ist begrenzt. Irgendwann wird es dran sein, von dort zu fliehen und wieder zurück zu kehren. Wir können die Bibel nicht lesen wie ein Gesetzbuch, sondern wir müssen immer wieder nach den Hintergründen, nach der Situation und der Zeit fragen, in welche Gott hinein gesprochen hat. Und dann überlegen: Was heißt das für uns heute?
Bibeltext

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