Jeremia 48 Gottes Sonne über den Bösen

Auffällig ist, dass die Weissagungen gegen Moab sehr viel mehr Platz einnehmen (47 Verse), als die Weissagungen gegen die Philister (7 Verse). Vielleicht liegt das daran, dass das jüdische Volk Moab näher stand als den Philistern. Nach 1. Mo.19,37 war Moab der älteste Sohn Lots, das jüdische und moabitische Volk waren also miteinander verwandt, hatten gemeinsame Vorfahren. Vielleicht liegt es auch daran, dass das Siedlungsgebiet der Moabiter dem Selbstverständnis der Israeliten nach, eigentlich den Stämmen Ruben und Gad zustand.

Im Lauf der Geschichte gab es durchaus positive persönliche Beziehungen zwischen Israeliten und Moabitern (z.B. Rut, Rut 1,1-2 ; 4,13-17 oder David, der seine Eltern in die Obhut eines Moabiterkönigs gibt, 1. Sam. 22,3-4). Aber es gab auch immer wieder kriegerische Konflikte (zur Zeit des Jeremia z.B. versuchte eine Koalition aus Moabitern, Chaldäern, Aramäern und Ammoniter das Land Juda zu erobern, 2. Kön. 24,1-6). Entsprechend dieser wechselvollen Geschichte mischen sich in diesem Kapitel Schadenfreude (V.26-27) und Mitgefühl (V.17.31-32).

Spannend und überraschend finde ich, dass – ähnlich wie für das jüdische Volk – das Strafgericht Gottes zeitlich begrenzt wird: „Aber in der letzten Zeit will ich das Geschick Moabs wenden, spricht der Herr.“ (V.47) Gottes Gnade und Langmut gilt nicht nur dem eigenen Volk, sondern auch darüber hinaus. Zwischen all den Gerichtsankündigungen leuchtet schon im Alten Testament immer wieder Gottes Liebe auch für die Feinde auf. Jesus malt uns diese Liebe zu den Feinden eindrücklich vor Augen: „Liebet eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen.“ Er fügt hinzu, dass diejenigen zu lieben, die uns lieben, keine Kunst ist – das kann jeder. Aber die Feinde zu lieben, das ist göttlich, das entspricht Gottes Wesen. „Denn er läßt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute“  (Mt. 5,44-48).
Bibeltext

Bewerte diesen Artikel

Ein Gedanke zu „Jeremia 48 Gottes Sonne über den Bösen“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.