Jeremia 39 Endlich die große Katastrophe

Seit 40 Jahren (!) predigt Jeremia auf immer neue Weise dasselbe: „Wenn ihr nicht umkehrt zu Gott, dann wird es eine große Katastrophe geben.“ Er wurde nur von wenigen gehört. Jetzt (endlich?!) tritt die große Katastrophe ein: Jerusalem wird von den Babyloniern eingenommen, zerstört (nach 2.Kön.25,9 auch der Tempel) und die Ober- und Mittelschicht nach Babylonien deportiert.

Wie sich Jeremia wohl gefühlt hat? Ich glaube er wurde von ganz unterschiedlichen Gefühlen zerrissen: Auf der einen Seite leidet er mit seinem Volk (immer wieder wird das im Jeremiabuch deutlich). Die Zerstörung seiner Heimat muss auch für ihn schrecklich gewesen sein. Vielleicht hatte er bis zum Schluss die Hoffnung, dass sein Volk umkehrt oder dass Gott Gnade vor Recht ergehen lässt. Andererseits war er vielleicht auch erleichtert: Endlich macht Gott seine Drohungen wahr. Endlich können alle sehen, dass ich die letzten 40 Jahre keinen Blödsinn erzählt habe, sondern Gottes Wort weiter gegeben habe.

Vielleicht hatte er auch damals schon die Hoffnung, dass jetzt endlich – nach der großen Katastrophe – auch die Zeit für einen Neuanfang zwischen Gott und seinem Volk gekommen ist. Man sagt das ja auch von manchen Suchtkrankheiten: Ab einem gewissen Punkt kann Heilung nur noch nach dem großen Zusammenbruch geschehen. Erst wenn der Süchtige am Boden zerstört ist und wirklich mit aller Konsequenz den Karren an die Wand gefahren hat, wird er auch innerlich bereit, für einen Neuanfang. Vielleicht ist es im Glauben manchmal ähnlich: Solange man sich durch eigenes Strampeln noch über Wasser halten kann, verzichten viele auf die rettende Hand Gottes…
Bibeltext

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