Jeremia 29 Suchet der Stadt Bestes

„Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lasse, und betet für sie zum Herrn; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s auch euch wohl.“ (V.7) Das klingt recht harmlos und unverfänglich, das wird heutzutage auch gerne bei ökumenischen Veranstaltungen als Motto verwendet: Lasst uns miteinander für das Wohl der Menschen in unserer Stadt eintreten. Aber zur Zeit Jeremias war das eine Provokation! Eine Provokation, die größer kaum sein könnte. Sowohl im politischen Sinn, als auch im religiösen Sinn.

Babylonien war der Feind Israels (und im Lauf der biblischen Geschichte wird es immer mehr zu dem großen widergöttlichen Feind schlechthin hochstilisiert). Politisch bedrohte es das kleine Land Israel und zwang es durch Waffengewalt unter seine Vorherrschaft. Religiös beteten sie andere Götter an, es waren Götzendiener und Feinde Gottes. Und nun sagt Jeremia: Betet für sie! Betet, dass es ihnen gut geht! Das ist vom Gefühl her ungefähr so, als ob Christen, die von Taliban-Extremisten entführt wurden für das Beste ihrer Entführer beten sollten. Oder so, als ob verfolgten Christen in Nordkorea für den Erhalt des kommunistischen Regimes zu Gott beten sollten.

Das ist richtig krass! Wenn wir mal überlegen, wie schwer es uns schon fällt, ehrlich für jemand zu beten, der uns gekränkt oder innerlich verletzt hat, wie viel schwerer ist es für den Feind zu beten! Natürlich fällt mir zu dieser Stelle die Aufforderung Jesu ein: „Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen.“ (Mt.5,44) Leicht gesagt – aber gar nicht so leicht umzusetzen.
Bibeltext

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