Jeremia 28 Wer hat Recht?

Erstaunlich nüchtern geht hier Jeremia mit einem anderen Propheten um, der genau das Gegenteil von dem verkündet, was Jeremia sagt. Jeremia verfällt nicht in Verteidigungshaltung und zählt biblisch-theologische Argumente auf, warum er und nur er Recht hat. Nein, seine erste Reaktion ist, dass er dem anderen Propheten zustimmt: „Ja, das wäre wunderbar, wenn Deine Botschaft so eintreffen würde und ich wünsche mir dass Du Recht hast mit Deiner Heilsbotschaft. Aber wer von uns beiden wirklich im Namen Gottes prophezeit, wird man erst erkennen, wenn sich die Prophezeiungen erfüllen.“ (V.6.9)

Erst nachdem Gott erneut zu Jeremia spricht, findet Jeremia deutlichere Worte: „Der Herr hat dich nicht gesandt; aber du machst, dass dies Volk sich auf Lügen verlässt.“ (V.15) Und er kündigt den baldigen Tod des Propheten an. Diese Prophezeiung wird durch Gott auch relativ zügig bestätigt: Der falsche Prophet stirbt kurz darauf.

Mir gefällt die nüchtern Art wie hier mit Prophetie umgegangen wird: Wer Recht hat, kann man letztendlich erst beurteilen, wenn die Botschaft auch eintrifft. Jeremia geht es nicht um die Verteidigung seiner Prophetenpersönlichkeit, sondern um die Wahrheit von Gottes Wort. Und dazu sagt er: Erst mal abwarten!

Nur macht das die Beurteilung auch extrem schwierig: Wie soll man vorher wissen, wessen Prophetie eintrifft? Soll ich auf die Unheilsbotschaft des Jeremia hören oder soll ich der Heilsbotschaft des anderen Propheten vertrauen? Um die Stimme Gottes aus der unübersichtlichen Vielfalt der theologischen Meinungen heraus zu hören, bedarf es auch heute noch so manches mal nüchterne Gelassenheit und Geduld.
Bibeltext

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