Jeremia 21, 1-10 Zehn Jahre nichts passiert

Im Jeremiabuch kommt an dieser Stelle ein großer zeitlicher Sprung. Jeremia kündigt Gericht an, er warnt seine Landsleute vor dem Eingreifen Gottes und er ruft zur Umkehr auf. Und dann? Dann geschieht erst mal lange Zeit gar nichts. Das Leben geht seinen gewohnten Gang und wir erfahren aus dem Jeremiabuch nichts über die nächsten Jahre. Der Text heute ist zeitlich ungefähr zehn Jahre nach den Ereignissen des letzten Kapitels einzuordnen. Inzwischen ist die Ankündigung Jeremias eingetroffen: Jerusalem wird von den Babyloniern belagert und die Führer des Volkes kommen zu Jeremia und fordern  ihn auf, dass er vor Gott eintreten soll und um ein Wunder beten soll (was natürlich nicht geschieht – die Leute haben lange genug Zeit gehabt umzukehren).

Zehn Jahre! Zehn Jahre nichts passiert! Zehn Jahre lang stand Gottes Wort ohne offensichtliche Erfüllung im Raum! Wir wissen nicht, ob Jeremia in diesen zehn Jahren weiter gepredigt hat oder ob er enttäuscht, frustriert und wütend den Mund gehalten hat. Aber offensichtlich hat seine Umkehrpredigt in diesen zehn Jahren keine großen Früchte gebracht. Die Menschen wollten nach wie vor nicht wirklich zu Gott umkehren.

Gottes Zeitpläne und seine Vorstellungen, wann was passieren muss, sind offensichtlich ganz anders als unsere oft kurzfristige Sicht der Welt und des Glaubens. Wenn ich mir das vorstelle: Zehn Jahre als Pastor in einer Gemeinde und es passiert nichts – das ist ganz schön frustrierend. Für den Pastor und die Gemeinde. Ich kann mir denken, dass in diesen zehn Jahren der Pastor oder der Gemeindevorstand mit zunehmender Verzweiflung irgendwelche Programme und Aktionen ausprobiert, um Veränderung zu bewirken. Ich kann mir vorstellen, dass sie ins Gebet gehen und Gott, um Hilfe anflehen. Ich kann mir denken, dass der eine oder andere auf den Gedanken kommt, dass der Pastor oder die Gemeindeleitung entweder ungeeignet sind oder zu wenig Glauben haben. Wie schwer ist es geduldig zu sein, wenn Gott nicht sofort und offensichtlich eingreift!
Bibeltext

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