Jeremia 2, 14-25 Selbst schuld?

Jeremia spielt auf die damalige politische Situation seines Volkes an. Juda wird zwischen den Großmächten Ägypten im Süden und Assyrien im Norden (später dann von den Babyloniern im Norden) zerrieben. Manchmal suchten die Mächtigen Bündnisschutz bei den Ägyptern gegen die Assyrer und manchmal liefen sie zu den Assyrern, um sich vor Ägypten zu schützen. Doch in beiden Fällen waren sie wie Sklaven, die sich selbst von einer Großmacht abhängig machten.

Jeremia sagt: „Das alles hast du dir doch selbst bereitet, weil du den Herrn, deinen Gott verlässt, sooft er dich den rechten Weg leiten will.“ (V.17) Mhm… ist das nicht eine etwas platte Erklärung?! „Wenn’s in deinem Leben schief läuft, dann bist du selbst schuld, weil du Gott verlassen hast, weil du nicht gläubig und fromm genug bist!“ Dieses „Selbst Schuld!“ kling im ersten Moment ziemlich hart und zynisch. So als ob man dem Kind, das gerade die heiße Herdplatte angefasst hat und vor Schmerz schreit sagt: „Ich hab’s dir ja gleich gesagt, aber du wolltest ja nicht hören! Selbst Schuld! Geschieht dir recht, wenn’s jetzt weh tut.“

Andererseits glaube ich nicht, dass hier bei Jeremia Schadenfreude und Genugtuung mitschwingt. Es ist kein rechthaberisches „Selbst Schuld!“, sondern eher ein trauriges und fassungsloses. Ich schau mein eigenes Leben und Verhalten auch manchmal traurig und fassungslos an, weil ich feststelle, dass ich Glück und Erfüllung durch alle möglichen anderen Dinge finden möchte, anstatt bei und durch Gott selbst. Und ich muss mir dann sagen: Selbst schuld, wenn du meinst abseits von Gott sinnvolles Leben zu finden und dann feststellst, dass dich das alles nicht wirklich frei und zufrieden macht.
Bibeltext

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