Jeremia 18, 1-17 Töpfer und Ton

Eine der bekanntesten Stellen von Jeremia. Er vergleicht Gott mit einem Töpfer und Israel mit einem Tonklumpen. Wie der Töpfer einen missratenen Formgebungsversuch wieder abbricht, den Tonklumpen wieder zusammen knetet und von vorne beginnt, so macht es auch Gott mit Israel: Wenn sie ständig nur anderen Göttern nachlaufen, verwirft er sie und beginnt von Neuem.

Bei diesem Bild erscheint Gott auf den ersten Blick als ziemlich willkürlich und unfair. Er formt etwas und wenn es nicht so wird, wie er sich das vorstellt, dann zerstört er es wieder. Wir fragen uns unwillkürlich: Was kann denn der Ton dafür, wenn der Töpfer sich so blöd anstellt?

Aber aus dem Text wird deutlich, dass der Ton in diesem Vergleich keineswegs als rein passives Material gedacht wird. Es kann sich dem Gestaltungswillen des Töpfers entziehen, es hat seinen eigenen Kopf und seinen eigenen Willen. Da kommt das Bild an seine Grenzen. Das ist ja gerade das Unverständliche: Gott formt etwas und aus irgendwelchen Gründen lässt sich der Ton nicht so formen, wie Gott es gedacht hatte.

Ich möchte bei diesem Abschnitt nicht so sehr auf die vermeintliche Willkür des Töpfers blicken, sondern mich selbst anschauen: Was bin ich für ein Ton? Will ich, dass Gott mich so hin formt, wie er es für richtig hält? Bin ich bereit – auch wenn es weh tut und ich manches nicht verstehe – mich von in die richtige Form kneten zu lassen? Ich bin überzeugt: Auch Krankheit und Schmerzen kann Gott gebrauchen, um mich zu formen.
Bibeltext

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