Jeremia 1, 4-10 Ich kann das nicht!

Wie schön, wie menschlich, wie verständlich! Bei den meisten alttestamentlichen Propheten verschwindet der Bote ganz hinter seiner Botschaft. Wir wissen oft nicht viel von ihren persönlichen Gefühlen. Bei Jeremia wird ein bisschen mehr sichtbar. Schon hier ganz am Anfang, bei seiner Berufung. Da „geschieht“ das Wort des Herrn zu Jeremia (tolle Formulierung, die Luther zurecht wörtlich aus dem Hebräischen übernimmt, auch wenn sie im deutschen nicht gebräuchlich ist!) und Gott erklärt, dass Jeremia schon vor seiner Geburt dazu bestimmt ist, Prophet zu sein… und Jeremia meint: „Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.“ (V.6)

Ich kann diese Angst gut verstehen und finde es erstaunlich, dass Gott gerade solch einen Menschen gebraucht. Ich glaube nicht, dass das nur eine faule Ausrede für Jeremia war, sondern dass er wirklich sehr jung war und dass er sich nicht vorstellen konnte, diese Aufgabe zu übernehmen. In der damaligen Zeit hatte eigentlich sowieso nur das Wort von Älteren Gewicht. Wie soll er da als junger Mensch in der Autorität Gottes auftreten (und wie wir später sehen werden, dem Volk und den Ältesten Gericht und Strafe Gottes ankündigen)?!

Aber es geht nicht um seine eigene Einschätzung, sondern darum, dass Gott gerade ihn gebrauchen möchte. Er befähigt ihn genau zu der Aufgabe, für die er ihn vorgesehen hat. Ich habe das auch schon so erlebt und erlebe es immer wieder so. Ich hab schon des öfteren gedacht: „Ich kann das nicht!“ Und doch ging es dann. Nicht weil ich so toll bin, sondern weil Gott da ist! Das heißt nicht, dass es einfach ist, Gottes Wegen zu folgen. Im Gegenteil: es ist oft schwer, mühselig und frustrierend. So hat es auch Jeremia dann erlebt. Aber es heißt, dass es geht – auch wenn wir es nicht für möglich halten…
Bibeltext

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