Jens Böttcher: Interview mit dem Teufel

Gewagtes und großes Thema, das sich Jens Böttcher da vor nimmt. Ein Interview mit dem Teufel höchst persönlich. Da gibt es genügend Abgründe, in welche solch ein Buchprojekt taumeln kann. Um es vorweg zu nehmen: ich finde nicht, dass der Autor mit diesem Buch abgestürzt ist – aber mir ging es beim Lesen doch an vielen Stellen so, dass ich den Anspruch des Romans als zu gewagt empfand.

Um was geht es? Tatsächlich um ein Interview, bzw. eine Pressekonferenz auf dem der Satan selbst Einblicke in seine Herkunft, seine Geschichte und seine Auseinandersetzungen mit Gott gibt. Es sind nur einige Journalisten in einem kleinen Dorf zu dieser Pressekonferenz erschienen, weil der Teufel ausprobieren möchte, wie diese wenigen Menschen mit der ganzen Wahrheit über den Teufel umgehen. Bis auf einen, ein Mann namens Kohlbach, kann keiner dem Teufel ernsthaft gegenüber treten. Von der Erzählform her ist das Buch als Theaterstück angelegt. Ein dialogisches Drama in zwei Akten.

Breiten Raum nimmt der Bericht des Satans ein, in welchem er seine Geschichte erzählt. Aufgelockert wird das ganze durch Zwischenfragen, hauptsächlich von Kohlbach. Andere Personen in dem Drama verdeutlichen anschaulich, wie Menschen den Verführungskünsten (z.B. Geld oder Sex) und den Halbwahrheiten des Teufels erliegen können. Das ganze ist gut geschrieben. Immer wieder spürt man das Augenzwinkern des Autors, aber auch der Ernst mit dem er an dieses Thema heran geht. An manchen Stellen bleibt einem das Lachen im Halse stecken oder man erlebt einige Aha-Effekte. Interessant vor allem, wie der Teufel auch die scheinbar ganz frommen vor seinen Karren spannen kann. Gelungen finde ich auch, wie die innere Zerrissenheit des Teufels und die tragische Selbstverliebtheit dieser Figur zur Geltung kommt.

Nun muss man das Buch zwangsläufig mit einem anderen Roman vergleichen, der ein ähnliches Thema hat: die Dienstanweisungen an einen Unterteufel von C.S. Lewis. Lewis war ganz einfach ein begnadeter Schriftsteller und ein äußerst scharf denkender Philosoph und Theologe. Im Vergleich zu ihm sieht auch ein äußerst guter Schriftsteller wie Jens Böttcher blass aus. Schwierig ist auch, dass Böttcher versucht, in seinem Buch das ganz große Bild der Herkunft und Geschichte des Teufels zu malen. Bei den Dienstanweisungen an einen Unterteufel geht es ja „nur“ um einen begrenzten Ausschnitt: wie bringt der Teufel die Menschen weiter weg von Gott. Böttcher hat sich einer ungleich größeren Aufgabe gestellt, er behandelt praktisch die gesamte Heilsgeschichte. Und an dieser Bürde hat der Roman zu tragen…

Trotzdem: eine absolute Leseempfehlung! Ein Buch das einen zum Schmunzeln und zugleich Nachdenken bringen kann. Jens Böttcher wagt mit diesem Buch etwas. Er provoziert. Und zwar nicht nur die völlig unchristlichen Leser, sondern v.a. auch die sehr christlichen Leser.

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