Irvin D. Yalom: Das Spinoza-Problem

Yalom: Das Spinoza-ProblemDer amerikanische Psychologe und Psychotherapeut Yalom hat mit seinen unterhaltsamen Romanen über große Denker der Philosophie erstaunlichen Erfolg. Er stellt das Denken berühmter Philosophen in mehr oder weniger fiktiven Lebensgeschichten dar. Das ist gar nicht so einfach. Mit seinen Romanen will er spannend und anschaulich erzählen, er bringt sein psychologisches Fachwissen in die Darstellung der Personen mit ein und will dennoch auch den philosophischen Grundgedanken seiner Hauptpersonen gerecht werden.

In diesem Buch wagt er sich an den großen und kühnen Denker des 17. Jh. heran: Spinoza. Das Problem bei Spinoza ist, dass man kaum etwas über sein Leben weiß. Er stammt aus dem Judentum, wurde aber wegen seiner religionskritischen Denkweise aus der Gemeinde verbannt. In seinen überlieferten Schriften findet sich wenig persönliches, denn Spinoza war fasziniert von der logischen Vernunft. Er argumentierte nicht mit Erfahrungen oder persönlichen Erlebnissen, sondern mit kühler und oft auch sehr abstrakter Vernunft. 

Yalom verknüpft deswegen die Darstellung von Spinoza mit dem Leben von Alfred Rosenberger, welcher im Dritten Reich der führende Nazi-Ideologen war (besonders im Bezug auf die Rassenideologie). Rosenberger ordnete während des zweiten Weltkrieges die Plünderung der Bibliothek Spinozas an, welche sich in einem Museum in den Niederlanden befand. In seiner schriftlich überlieferten Anordnung heißt es dazu, dass der damit das „Spinoza-Problem“ lösen wollte. Es ist nicht bekannt, was Rosenberger damit meinte, aber für Yalom ist das der Ausgangspunkt für seinen Roman: Immer kapitelweise abwechselnd erzählt er die Lebensgeschichten von Spinoza und Rosenberger, welche beide auf historischen Tatsachen basieren, aber letztendlich fiktiv sind. Um das Ganze anschaulicher zu machen, erfindet er für beide jeweils einen Gesprächspartner, welche mit den Hauptfiguren intensive philosophisch-psychologische Gespräche führen.

Der Roman ist gut zu lesen. Trotz der anspruchsvollen und abstrakten Philosophie von Spinoza gelingt es Yalom, dem Leser einen Eindruck von Spinoza und seinem Denken zu geben. Spinoza war mit seiner aufklärerischen und religionskritischen Vernunft seinem Denken weit voraus. Deswegen wurde er aus dem Judentum ausgeschlossen und auch die katholische Kirche hat sein Schriften verboten. Für mich als Christen sind Spinozas Gedanken herausfordernd. Aber beim Lesen ist mir auch deutlich geworden, dass auch die reine Vernunft ihre Grenzen hat. Gerade in der heutigen Postmoderne wird uns Menschen das ja wieder neu bewusst.

Mit der Figur des Adolf Rosenberger kann man sich nur wenig identifizieren. Seine Rassenideologie und der blinde Hass auf Juden ist einfach nur abstoßend. Dank seines psychologischen Wissens versucht Yalom zu deuten, woher dieser blinde Hass kommt: letztendlich ist es für ihn eine Reaktion auf fehlende Anerkennung und Liebe. Das „Spinoza-Problem“ deutet Yalom dahingehend, dass Spinozas Gedanken vom großen Dichter und Denker Goethe verehrt wurden. Für jemand wie Rosenberger war es völlig unverständlich und ein Problem, wie gerade ein jüdischer Denker solch einen Einfluss auf den von ihm verehrten Goethe haben konnte.

Insgesamt habe ich das Buch gerne gelesen. Es ist eine gute und unterhaltsame Einführung in Spinozas Philosophie. Aber rein als Roman hat mich das Buch nicht so überzeugt. Da gefiel mir sein erstes Buch „Und Nietzsche weinte“ deutlich besser. Das Gegenüber von Spinoza und Rosenberger sorgt zwar für Abwechslung, ist aber letztendlich keine organische Einheit. Und auch die vielen und langen Dialoge des Buches wirken oft etwas künstlich und konstruiert.  Trotzdem: für philosophisch Interessierte ist das Buch ein guter Einstieg in die Gedankenwelt des Spinozas.

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