Hesekiel 9 Wirkt Gott Unglück?

Kein angenehmes Kapitel: Hesekiel sieht in einer Vision, wie Todesengel durch Jerusalem gehen und einen Großteil der Bevölkerung erschlägt. Nur wer sich nicht am Götzendienst beteiligt hat, bekommt ein Zeichen auf die Stirn und wir verschont. Einige Jahre später kommt für Jerusalem tatsächlich die große Katastrophe: die Babylonier erobern die Stadt, zerstören den Tempel, viele Bewohner kommen um oder werden in das babylonische Exil gebracht.

Wie jedes geschichtliche Ereignis kann man diese Geschehnisse auch ohne Gott deuten: das ist halt politisch blöd gelaufen, vielleicht hätte man doch eine andere Bündnispolitik wählen sollen. Die Bibel deutet jedoch die Geschichte des Volkes Gottes immer auf dem Hintergrund ihrer Beziehung zu Gott. Der Untergang Jerusalems wurde von Hesekiel schon prophetisch und danach auch von anderen als Strafe Gottes für den Unglauben des Volkes gedeutet.

Ist damit im Umkehrschluss jedes geschichtliche Ereignis direkt ein Wirken Gottes? Ist jede Katastrophe, jedes Unglück eine Strafe Gottes für Unglauben? Ist z.B. das Erdbeben in Japan eine Strafe Gottes für die Vielgötterei der Japaner? Mit Umkehrschlüssen ist es immer so eine Sache, das ist oft gefährlich. Jesus verneinte solch einen pauschalen Zusammenhang: als in Siloah ein Turm einstürzte und achtzehn Menschen erschlug, lehnte er es ab, darin eine direkte Strafe Gottes für diese achtzehn Menschen zu sehen (Lk. 13,1-5). Trotzdem können uns solche Ereignisse wachrütteln und dazu bringen uns wieder neu Gott zuzuwenden. So sieht es auch Jesus bei dem Unglück in Siloah: „Wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen.“ (Lk.13,5) Er deutet das Unglück nicht als von Gott gewirkte Strafe für die achtzehn Menschen, aber er sieht darin einen Anlass zu Buße, zur Umkehr.

| Bibeltext |

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