Hesekiel 5 Der zornige Liebhaber

Wie so viele alttestamentliche Propheten spricht auch Hesekiel unverblümt vom Zorn Gottes. Aus heutiger Sicht ist das theologisch daneben und passt so gar nicht in unser Gottesbild. Darf man so von Gott reden? „So soll mein Zorn vollendet werden und mein Grimm über sie zum Ziel kommen, daß ich meinen Mut kühle, und sie sollen erfahren, daß ich, der HERR, es in meinem Eifern geredet habe, wenn ich meinen Grimm an ihnen vollende.“ (V.12) Mir kommt der Gott, der in diesem Kapitel beschrieben wird, vor wie ein kleines Kind, das mit seinen Spielzeugen, die es in seinem Zimmer zu einer Spielzeugstadt aufgebaut hat, nicht mehr zufrieden ist. Die Spielzeuge machen nicht das, was sich das Kind wünscht. Und jetzt wird es zornig, weil das Ganze nicht so funktioniert, wie sich das Kind das vorgestellt hat.

Hesekiel beschreibt Gottes Zorn hier sehr menschlich. Gott ist im hebräischen Denken kein unbewegliches philosophisches Prinzip, sondern ein persönliches und dynamisches Gegenüber. Durch die Zeilen schimmert die Enttäuschung eines verlassenen Liebhabers, es schimmert die zornige Eifersucht von jemand durch, der sitzen gelassen wurde.

Was mir aufgefallen ist: Wenn wir von Gottes überfließender Liebe reden, dann haben wir keine Probleme mit menschlichen Bildern und Vergleichen, dann kann Gott der liebevolle Vater, der verständnisvolle Freunde, die bergende Mutter sein – aber wenn wir von Gottes Zorn reden, dann erscheinen uns die Vergleiche und Bilder aus dem menschlichen Bereich nicht angebracht.

Aber wir können von Gott nur in Vergleichen und Bildern reden. Wir können keinen absoluten, neutralen Blick auf Gott werfen. Wir können durch irdische und menschliche Vergleiche immer nur eine Ahnung von ihm bekommen. Wo Gottes Wesen am deutlichsten wird, in seiner Liebe und seinem Zorn, ist Jesus Christus – aber auch da nicht auf absolute und allumfassende Weise, sondern verborgen in der Schwachheit eines menschlichen Leibes.he

| Bibeltext |

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Ein Gedanke zu „Hesekiel 5 Der zornige Liebhaber“

  1. Philosophisch aufschlussreich fand ich die Bemerkungen: „Gottes Zorn – aus heutiger Sicht theologisch daneben“ und „Gott ist im hebräischen Denken..“!!!
    Hier schimmert nach meiner Meinung das heutige antiphilosophisch, existentialistisch-dualistische Gottesbild durch.
    Einerseits – das sentimentale, senile „Herrgöttle“ und andererseits die unendliche, kosmisch-unerklärbare Urenergie mit ihren vielen Zwischenspielereien.
    Windhauch kann sich nicht recht entscheiden in welche Richtung er wehen will und so wirbelt er im Kreis herum um sich zwischenzeitlich bezuglos auf einem Jesus Christus herab zu lassen ganz so wie es das moderne, religiös- existenzialistische Weltbild vorschreibt.

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