Hesekiel 4 Ein antiker Aktionskünstler

Neben Visionen und normaler prophetischer Verkündigung sind Zeichenhandlungen für Hesekiel typisch. Und zwar Zeichenhandlungen, in denen er selbst zum Zeichen, zum Symbol wird. In diesem Kapitel soll er mit Zeichenhandlungen den drohenden Untergang von Jerusalem und die Schuld des Volkes ankündigen. Besonders bei der zweiten Handlung verlangt Gott viel von ihm: Er soll sich 390 Tage lang auf die linke Seite legen und damit das Tragen der Schuld Israels symbolisieren. Dann soll er für die Schuld Judas 40 Tage lang auf der rechten Seite liegen. Während dieser Zeit soll er sein Essen und Trinken streng rationieren, um den Mangeln an Nahrungsmitteln in der drohenden Belagerung der Stadt Jerusalem zu verdeutlichen.

Erstaunlicherweise hat er dagegen wohl nichts einzuwenden gehabt. Nur als Gott verlangt, dass er in dieser Zeit seine Gerstenfladen auf Menschenkot backen soll, da wehrt er sich: nicht weil er das als eklig empfand, sondern weil er sich damit nach dem alttestamentlichen Gesetz unrein machen würde. Körperliche Schmerzen und Mangel macht ihm weniger aus, als sich in seinem Glaubensleben zu verunreinigen!

Hesekiel gibt sich mit seinem ganzen Leben dem Wort Gottes hin. Und wo Worte nichts mehr nützen, da stellt er sich selbst als Symbol zur Verfügung, um seine Mitmenschen wachzurütteln. 430 Tage lang auf dem Boden rumliegen und kaum genug Nahrung zum überleben haben! Über ein Jahr seines Lebens opfern, nur um deutlich zu machen, welche Schuld das Volk auf sich geladen hat! Extrem! Auch aus moderner, werbetechnischer Sicht ist das eine geniale und provozierende Aktion, um Aufmerksamkeit zu erregen. Wie schnell geben wir uns dagegen oft geschlagen, wenn Menschen nichts von Gott wissen wollen! Wie langweilig und unkreativ sind wir dagegen oft, wenn es darum geht, auf die Botschaft unseres Glaubens aufmerksam zu machen!

| Bibeltext |

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