Hesekiel 35 Bruderzwist durch Jahrhunderte hindurch

Überraschenderweise folgt hier noch einmal ein Gerichtswort über ein Nachbarvolk der Israeliten: und zwar über die Edomiter. Gerichtsworte über andere Völker wurden eigentlich schon in den Kap. 25.32 zusammengefasst. Das hat wohl zum einen kompositorische Gründe: dieses Kapitel dient als negative Folie für die folgenden Verheißungen an Israel (Kap. 36).

Es hat wohl auch damit zu tun, dass Israel Edom als Brudervolk sah und durch seinen Spott und Hass nach dem Untergang Jerusalems besonders betroffen war. Die Edomiter galten als Nachkommen Esaus, dem Bruder Jakobs. Jakob war der Stammvater der Israeliten. Durch die Jahrhunderte hindurch gab es immer eine besondere Konkurrenzsituation zwischen diesen beiden Völkern.

Nachdem Juda von Babylonien erobert wurde, hofften die Edomiter selbst daraus Kapital schlagen zu können und ihre Macht auszubauen. Daraus wurde allerdings nichts. Sie sind selbst abhängig von anderen Großmächten geblieben (zunächst von den Neubabyloniern und dann von den Persern) und schließlich im 4. Jh. v. Chr. von den Nabatäern verdrängt worden.

Wenn es wirklich so ist, dass die Edomiter Nachkommen von Esau waren, dann ist es erstaunlich und erschreckend, wie sich die Probleme zwischen den Brüdern Jakob und Esau durch die Jahrhunderte hindurch fortsetzen. Wer weiß, wie die Geschichte weiter gegangen wäre, wenn sich Jakob und Esau wirklich versöhnt hätten und nicht nur aus dem Weg gegangen wären…

| Bibeltext |

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