Hesekiel 33, 1-9 Das Katastrophenhorn blasen?

Die Aufgabe des Propheten Hesekiel wird hier als die eines Wächters beschrieben. Er ist wie ein Wachmann, der mit einem Posaunenton Alarm schlägt, wenn der Feind anrückt. Er kann nicht verhindern, dass der Feind kommt und er kann auch nicht beeinflussen, wie die Hörer auf den Warnruf reagieren. Wenn man Hesekiel mit anderen Propheten, im Extremfall mit Jona vergleicht, so stellt man fest, dass es durchaus Unterschiede gibt, wie dieses Wächsteramt ausgeübt wird. Jona geht nur widerwillig nach Ninive und verkündigt dort kurz und lustlos das drohende Gericht Gottes. Hesekiel warnt über Jahre hinweg mit großem persönlichen Einsatz und auf immer neue kreative Weise vor einem Leben ohne Gott. Das dramatische ist, dass Jona „Erfolg“ hat (die Einwohner Ninivehs kehren um) und Hesekiel nicht. Ganz schön frustrierend, was Gott da seinem Propheten zumutet.

Ich habe mich bei diesem Text gefragt, ob wir Christen heute eine ähnliche Aufgabe haben? Müssen wir die Menschen vor dem Gericht Gottes warnen? Ich denke, unsere Botschaft ist anders, sie ist mehr als nur vor dem Untergang zu warnen. Wir haben nicht die Botschaft weiter zu geben, dass der Feind vor den Toren steht, sondern wir haben die Botschaft weiter zu geben, dass der Erlöser vor der Tür steht. Das ist etwas anderes! Unsere Aufgabe ist nicht Katastrophenangst zu schüren, sondern Hoffnung zu wecken und zum Leben einzuladen. Natürlich ist es einfacher, laut und kräftig in das Katastrophenhorn zu blasen. Aber angemessener ist es, auf möglichst vielfältige und einladende Weise zum Tanz des Lebens aufzuspielen.

| Bibeltext |

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