Hesekiel 30 Kein magisches Orakelbuch

In diesem Kapitel verkündigt Hesekiel die völlige Niederlage Ägyptens gegenüber Babylonien. Er schreibt dass Gott bereits einen Arm des Pharaos zerbrochen hat (V.21), dass er aber bald beide Arme völlig zerbrechen wird (V.22). Mit dem Zerbruch eines Armes (Arm steht als Bild für militärische Macht) nimmt er wahrscheinlich Bezug auf die Schlacht bei Karkemis, bei der die Babylonier den Ägyptern 605 v. Chr. eine entscheidende militärische Niederlage zugefügt haben. Aber für eine spätere völlige Eroberung und Zerstörung Ägyptens durch die Babylonier gibt es keine geschichtlichen Hinweise. Ägypten wurde erst 525 v. Chr. durch die Perser erobert.

Die Prophezeiung ist also so nicht eingetroffen. Für Bibelkritiker ein gefundenes Fressen. Für Bibelfanatiker, die gerne die Wahrheit der Bibel durch eingetroffene Prophezeiungen „beweisen“ wollen eine schwierige Stelle. Für mich wird hier wieder deutlich, dass biblische Prophetie kein Zukunftsorakel ist. Propheten wollen nicht in erster Linie ein genaues Bild der Zukunft geben, sondern sie sprechen in ihre Gegenwart hinein und wollen ihre Zuhörer warnen und zur Umkehr zu Gott veranlassen. Es geht Hesekiel mit seiner Prophezeiung in erster Linie darum, seine Landsleute davor zu warnen, sich auf die Macht Ägyptens zu verlassen. Sie sollen sich lieber Gott zuwenden, anstatt auf den Pharao zu vertrauen. Und tatsächlich konnte der Pharao den Bürgern von Jerusalem nicht helfen, als wenig später Jerusalem von den Babyloniern erobert und zerstört wurde… Für die Einwohner Jerusalems wurde die Macht Ägyptens also tatsächlich ganz zerbrochen.

Die Bibel ist kein magisches Orakelbuch, mit dem man sich die genaue Zukunft der Weltgeschichte ausrechnen kann. Sie spricht uns jetzt ins Herz, sie malt die Konsequenzen eines Lebens ohne Gott aus und sie fordert uns immer wieder zur Umkehr zum Gott des Lebens auf. Auf welche Weise und unter welchen Bedingungen sich Prophezeiungen dann genau erfüllen, das ist Gottes Sache.

| Bibeltext |

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