Hesekiel 26 Unerfüllt Prophetie?

Ganz besonders ausführlich wendet sich Hesekiel der mächtigen Handelsstadt Tyrus zu (zweieinhalb Kapitel). Neben Ägypten schien Tyrus damals wohl die einzige Macht, die den Babyloniern evtl. hätte widerstehen können. Ägypten war eine militärische Großmacht und Tyrus eine ökonomische Großmacht. Auch von der Lage her war Tyrus militärisch gut zu verteidigen: es lag auf einer kleinen Insel im Mittelmeer und galt deswegen lange als uneinnehmbar. Hesekiel prophezeit der Stadt trotzdem den Untergang. Der babylonische König Nebukadnezar wird kommen und die Stadt in Schutt und Asche legen.

Tatsächlich kam Nebukadnezar auch und belagerte die Stadt 13 Jahre lang. Allerdings konnte er sie nicht stürmen. Die Stadt ergab sich jedoch 568 v. Chr. (vgl. Wikipedia: Tyrus) und geriet in babylonische Abhängigkeit. Erst Alexander der Große konnte 332 v. Chr. die Mauern der Stadt stürmen. Dies gelang in mit Hilfe eines Dammes, den er vom Festland her aufschüttete und auf dem seine schweren Belagerungsmaschinen an die Mauern heranrücken konnten. Er zerstörte die Stadt teilweise.

Schon Hesekiel selbst musste sich damit auseinandersetzen, dass seine Prophezeiung nicht genau so eingetroffen ist, wie er sie ausgesprochen hatte. In Hesekiel 29,18-20 wird deutlich, dass Nebukadnezar die Stadt nicht zerstören konnte. War die Prophezeiung deswegen falsch? Ich denke, dass biblische Prophezeiungen oft mehrere Dimensionen haben. Es geht nicht um magische Zukunftsvorhersagen, sondern um Zukunftsbilder, welche das Verhalten in der Gegenwart verändern sollen. Diese Bilder können sich dann in unterschiedlichen Stufen (zeitlich) und Formen (buchstäblich oder in übertragenem Sinn) erfüllen.

In diesem Fall hat sich die Prophezeiung unter Nebukadnezar nur andeutungsweise erfüllt (die Macht der Stadt wurde tatsächlich gebrochen, sie musste sich Babylon unterwerfen) und erst durch Alexander wurde sie dann tatsächlich erobert. Biblische Prophetie erfüllt sich nicht immer so, wie wir uns das mit unserem begrenzen menschlichen Verstand vorstellen…

| Bibeltext |

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