Hesekiel 24 Der Bote erleidet die Botschaft

Was soll man dazu sagen? Wie bei manchen alttestamentlichen Propheten verwickeln sich bei Hesekiel Bote und Botschaft auf unauflösliche Weise. Das persönliche Leben des Propheten wird selbst zu einer dramatischen Botschaft, der Bote gibt nicht nur die Botschaft weiter, sondern er erleidet sie selbst: Gott kündigt an, dass die Frau Hesekiels plötzlich sterben wird und dass er keine Totenklage für sie halten soll. Diese Tod soll den Untergang Jerusalems ankündigen. Dem Volk wird das liebste genommen: das Heiligtum, die herrliche Zuflucht, die Freude ihrer Augen, das Verlangen ihrer Herzen (V.21). Am Morgen verkündigt Hesekiel die Botschaft und schon am Abend ist seine Frau tot! (V.18)

Was muss in Hesekiel vorgegangen sein? Hat er mit Gott gehadert? Hat er mit Gott gekämpft? Im Text wird nur erwähnt: „Und ich tat am andern Morgen, wie mir befohlen war.“ (V.18) Er hat also nicht öffentlich geklagt und getrauert, sondern nur heimlich, im Verborgenen geseufzt.

Für mich ist das ehrlich gesagt unverständlich: Warum greift Gott zu solch drastischen Mitteln, um seine Botschaft weiter zu geben. Ich könnte mir irgend eine Erklärung zurecht legen, ich könnte verschiedene Vermutungen aufstellen. Aber ich will es nicht. Ich lasse es einfach stehen, als etwas das ich nicht verstehe. Es gibt Seiten an Gott, die wir jetzt noch nicht verstehen. Das ist ja auch ein Grundanliegen des Hesekielbuches: Gott ist in seiner Herrlichkeit und Heiligkeit größer als wir es mit unserem Verstand erfassen können.

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