Hesekiel 21 Gerechte und Ungerechte?

Nachdem im letzten Kapitel Gottes Gnade durch alles Gericht hindurch aufgeleuchtet ist, betont Hesekiel in diesem Kapitel Gottes Zorn und sein Gerichtshandeln. Hängen geblieben bin ich vor allem an V.8: „So spricht der HERR: Siehe, ich will an dich; ich will mein Schwert aus der Scheide ziehen und will in dir ausrotten Gerechte und Ungerechte.“ Hier trifft Gottes Gericht ohne Unterschied die Gerechten und die Ungerechten. Das widerspricht Kap. 18, in welchem ausdrücklich betont wird, dass jeder Einzelne nach seinem eigenen Tun gerichtet wird. Und es scheint auch nicht zum vorigen Kapitel zu passen, wo Gott um seiner eigenen Ehre willen verspricht, dass er Israel gnädig annehmen will und es nicht entsprechend seiner bösen Taten behandeln will (Hes. 21,41.44).

Warum trifft hier Gottes Gericht den Gerechten und den Ungerechten? Ich weiß es nicht. Vielleicht muss man zwischen unterschiedlichem Gerichtshandeln unterscheiden: Hesekiel spricht hier in prophetischer Weise vom Untergang Jerusalems, von der Eroberung und Zerstörung durch die Babylonier. Dieses kollektive Gerichtshandeln über sein Volk Israel trifft auch die wenigen Gerechten, die noch in Israel an Gott festhalten. Wie Gottes Urteil über jeden Einzelnen aussieht, ist noch einmal eine andere Frage.

Man könnte es vergleichen mit der Schuld der Deutschen im 3. Reich. Nicht jeder hat sich auf gleiche Weise schuldig gemacht und doch haben sowohl Gerechte als auch Ungerechte unter den Folgen des Krieges gelitten. Davon zu unterscheiden ist, wie sich Einzelne für ihre Taten verantworten mussten.

| Bibeltext |

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