Hesekiel 2 Von Gottes Geist aufgerichtet

Auffällig ist die Anrede „Menschenkind“. Sie kommt bei Hesekiel gehäuft vor (insgesamt 93 mal; sonst im AT nirgends so oft). Wörtlich übersetzt steht da: Sohn des Menschen. Auch Jesus hat sich ja als Menschensohn bezeichnet, doch bei ihm war es auf dem Hintergrund des Buches Daniel ein Hoheitstitel. Hier bei Hesekiel macht es eher die Zugehörigkeit des Propheten deutlich: er gehört auf die Seite der Menschen, er ist Geschöpf und steht in der Linie von „Adam“ (welches das hebr. Wort für Mensch ist). Im Buch Hesekiel wird in besonderer Weise Gottes Macht und Herrlichkeit betont. Hesekiel wird mit der Anrede immer wieder vor Augen geführt, dass Gott ganz anders ist, dass er der Heilige ist, dass es einen Abstand zwischen den vergänglichen Menschen und dem ewigen Gott gibt. Das Faszinierende ist, dass Gott dennoch sein Volk nicht aufgibt und dass er nicht aufhört, durch Propheten um sein Volk zu werben.

Was mich besonders angesprochen hat bei diesem Abschnitt ist V.2: „Und als er [Gott] so mit mir redete, kam Leben in mich und stellte mich auf meine Füße.“ Hesekiel hatte sich vor Ehrfurcht nieder geworfen (Hes.1,28). Was Luther hier mit „Leben“ übersetzt hat, kann man auch mit „Geist“ übersetzen. Hesekiel wirft sich also vor dem heiligen Gott nieder, aber Gott redet mit ihm und Gottes Geist richtet ihn wieder auf. Obwohl Hesekiel ein Sohn des Menschen ist, obwohl der Abstand zwischen Mensch und Gott so groß ist, will Gott mit ihm reden, will er ihn als Gegenüber! Gott will nicht, dass der Prophet vor ihm im Staub kriecht, sondern dass er mit erhobenem Haupt Gott zuhört.

| Bibeltext |

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