Hesekiel 19 Ein Klagelied über die Schuldigen

Ein Klagelied über den Niedergang des israelitischen Königshauses. Aber typisch für Hesekiel sind auch seine Klagen nicht direkt formuliert, sondern verpackt in bildliche Vergleiche. Er vergleicht das Königshaus mit einer Löwenmutter, die zwei Junge verliert, weil sie gefangen genommen werden. Und als zweites Bild verwendet er das schon traditionelle Bild vom Weinstock. Dieser Weinstock wird aus dem Boden gerissen, in die Wüste verpflanzt und geht an einem Feuer zugrunde.

Faszinierend zum einen diese Bildersprache des Hesekiel. Da spricht kein trockener Theologe, sondern jemand mit sehr viel Fantasie und Kreativität. Zum anderen beeindruckt mich, dass Hesekiel bereit ist, über das Königshaus zu klagen. Er ist nicht derjenige der schadenfroh sagt: „Ja, hättet ihr mal gleich auf uns Propheten gehört, dann wäre das nicht passiert.“ Er ist nicht der Besserwisser, der anderen nur ihre Fehler vor Augen führt, sondern er leidet und klagt mit denen, die eigentlich schuld sind (die ungehorsamen Könige von Juda). Er ist nicht derjenige der überheblich mit dem Finger auf andere zeigt und sich dabei selbstgerecht zurücklehnt. Das bedeutet nicht, dass man seine Gerichtsbotschaft deswegen nicht ernst nehmen müsste. Im Gegenteil: gerade weil er selbst mitleidet, sind seine Worte um so ernster zu nehmen.

| Bibeltext |

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