Hesekiel 18 Wer ist schuld?

Das Kapitel heute lässt bei mir eine Reihe von Fragen aufkommen. Hesekiel betont darin, dass jeder für seine eigene Schuld verantwortlich ist und dafür von Gott bestraft wird. In früheren Texten des AT, z.B. in 2.Mo.20,5 (das gehört zu den 10 Geboten, ist also ein sehr zentraler und wichtiger Text!), wird gesagt, dass Gott die Schuld der Väter heimsucht bis in die dritte oder vierte Generation. Warum einmal so und jetzt anders? Hat sich Gott etwas geändert? Beurteilt er Schuld bei Hesekiel anders als im 2. Mosebuch?

Hesekiel sagt, dass derjenige der ungerecht und gottlos lebt sterben soll, derjenige der gerecht und gläubig ist leben soll. Schön gesagt, aber stimmt das mit der Wirklichkeit überein? Warum trifft z.B. Hesekiel das Schicksal der Deportation obwohl er doch offensichtlich zu denjenigen gehört, die Gott vertrauen? Unsere Wirklichkeit bestätigt das nicht so simpel, wie Hesekiel es darstellt – es gibt genügend Gerechte die leiden müssen und genügend Ungerechte, denen es gut geht. Das ist ja gerade das Bedrückende für die Israeliten in Babylon: Sie haben das Gefühl, dass sie für die Sünden ihrer Väter bezahlen müssen (V.2). Hesekiel sagt ihnen zwar, dass es nicht so ist, aber ihre Erfahrung spricht nach wie vor dagegen.

Letztendlich aber bringen diese Fragen nichts – weder mir noch den damals Deportierten. Letztendlich ist für jeden nur das eine wichtig, was Hesekiel am Ende sagt: „Bekehrt euch, so werdet ihr leben.“ (V.32) Das ist eine Verheißung, die uns Gott gibt. Wir können vielleicht nicht immer erkennen, wie sie sich erfüllt – aber wir sollen sie ernst nehmen und darauf vertrauen, dass Gott sein Wort hält.

| Bibeltext |

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Ein Gedanke zu „Hesekiel 18 Wer ist schuld?“

  1. Sehr seltsam diese Frage angesichts der täglichen Meldungen der atomaren Verseuchung unserer Generation. Was können künftige Generationen dafür, dass unsere Generation so abartig dumm und egozentrisch ist? Nur um den momentanen Wohlstand zu fördern wird in Kauf genommen, dass die nächsten hundert Generationen dafür zahlen müssen und darunter leiden dürfen?
    So ist es auch im geistlichen Bereich: was können wir dafür, dass unsere Urgroßväter anfingen das Wort Gottes arrogant zu zerpflücken und so taten als ob sie besser wüßten wie die Welt geschaffen wurde und wie dieser Gott nach ihrem Gutdünken aussieht und was er nach ihrem Geschmack wahrscheinlich gesagt und gemeint hat?
    Sind wir deshalb heute unschuldig?
    Natürlich haben unsere Väter dank ihrer Hochnäsigkeit sehr viel Schuld auf sich geladen – aber haben wir deshalb keine Möglichkeit mehr dieser Arroganz aus zu weichen? Müssen wir die selben Fehler gezwungener Maßen bei behalten?
    Oder hätte unsere Generation nicht auch die Möglichkeit das Wort Gottes zu lesen und so zu verstehen wie es geschrieben steht?
    Wer zwingt uns den dümmlichen Auslegungen der falschen Propheten zu folgen?
    `Wieso wird die Frage gestellt: „Wer ist schuld?“ und nicht „Wer ist unschuldig?“
    Ist es wirklich so schwer zu erkennen, dass wir alle schuldig sind und dass wir – so wir nicht umkehren selbstverständlich unsere Probleme den nächsten Generationen vererben?
    Je nach Art der Schuld die wir vererben – siehe atomare Verseuchung- werden künftige Generationen daran knabbern- egal ob sie aus unseren Fehlern lernen oder nicht! Selbst ihre Bekehrung zum lebendigen Gott wird die Verstrahlung nicht ungeschehen machen!
    Selbst meine Bekehrung zu Jesus
    Christus konnte es nicht verhindern, dass ich jahrzehntelang nicht verstanden habe wieso es genügt zu glauben und zu bekennen, dass dieser Jesus Christus ins Fleisch gekommen ist. Erst durch das Lesen des Büchleins von Francis Schaeffer: „Preisgabe der Vernunft“ wurde mir bewußt wie philosophisch verseucht unsere Generation ist! Erst dadurch wurde mir klar wie unterschiedlich dieses Bekenntnis ausgelegt werden kann und auch ausgelebt wird!
    Wenn man ein praktisches Beispiel suchen will – so betrachte man den letzten Absatz – ein typische, neuzeitliche, existentialistisch-springende, verseuchte Denkweise!

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