Hesekiel 1, 1-3 Es tat sich der Himmel auf

Wie so oft bei alttestamentlichen Propheten wird auch bei Hesekiel zu Beginn eine kurze historische Einordnung gegeben und von der Berufung des Propheten berichtet. Hesekiel stammt aus einem Priestergeschlecht und wurde 597 v. Chr. mit anderen aus der Oberschicht Jerusalems nach Babylonien deportiert. Nach fünf Jahren erfolgt dort die Berufung zum Propheten.

Was mich an diesem kurzen Abschnitt fasziniert, sind die Worte, mit denen Hesekiel selbst (V.1 in der Ich-Form) und die Herausgeber des Buches (V.2f in der Er-Form) diese Berufung beschreiben: „… tat sich der Himmel auf, und Gott zeigte mir Gesichte“ (V.1); „… da geschah das Wort des Herrn zu Hesekiel … Dort kam die Hand des Herrn über ihn.“ (V.3) Hesekiel sieht etwas und zugleich geschieht das Wort. Für Hesekiel ist Gottes Wort ein Hör- und Sehnerv betreffendes Geschehen – nicht nur eine innere Erleuchtung aufgrund von theologischem Nachdenken oder Gebet, sondern viel umfassender. Ein solch eindrucksvolles Geschehen, dass er es damit umschreibt, dass sich der Himmel öffnet. Ein kurzer Blick aus der Vergänglichkeit in die ewige Herrlichkeit.

Zugleich ein Geschehen, das ihn in Beschlag nimmt – das ist gemeint mit der Formulierung, dass sich Gottes Hand über ihn kommt. Da ist nicht ein einzelner Sinnsucher, der Glück, Frieden und Gesundheit für sein Leben sucht und in Gott endlich die Erfüllung seiner Sehnsüchte findet, sondern die Bewegung geht genau anders herum: Gott findet einen Menschen und gebraucht ihn für eine Aufgabe, die mehr beinhaltet, als das persönliche Glück eines Einzelnen. Aber gerade diese Erfahrung – von Gott in Beschlag genommen zu werden – beschreibt Hesekiel als offenen Himmel!

| Bibeltext |

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