Hermann Koch: Blüh, Mandelzweig, blüh

Letzte Woche im Krankenhaus hatte ich viel Zeit zum Lesen… Ich hab diesen 650-Seiten Roman von Hermann Koch richtig verschlungen. Hat mir geholfen auf andere Gedanken zu kommen…

Ich hab ja angefangen, das biblische Buch Jeremia zu lesen. Dieses Buch ist eine ideale Ergänzung dazu. Koch erzählt die Lebensgeschichte des Jeremia in Roman-Form. Er lässt viel Hintergrundwissen einfließen und viele Jeremia-Texte werden im Zusammenhang sehr viel verständlicher und leichter einzuordnen.

Natürlich war das Leben des Jeremia bestimmt nicht ganz genau so, wie Koch es beschreibt. Für einen Roman muss er einfach vieles ausgestalten und anschaulich ausmalen. Dabei nimmt möglichst viele Texte aus dem Jeremiabuch auf und bettet sie wörtlich in die Rahmenhandlung ein. Das wirkt manchmal etwas gekünstelt, aber ich finde es trotzdem besser so, als die Worte des Jeremia zu umschreiben. Kochs Anliegen ist es nicht, die Geschichte des Jeremia historisch-kritisch aufzuarbeiten und auseinander zu pflücken, sondern er möchte das Leben des Jeremia so erzählen, wie es im biblische Buch auch deutlich wird.

Die Geschichte des Jeremia ist einfach faszinierend. Es ist unglaublich, was dieser Mensch leiden musste, um seiner Aufgabe als Prophet gerecht zu werden. Es ist unglaublich, wie Jeremia immer und immer wieder erleben muss, dass sein Ruf zur Umkehr nicht gehört wird. Eigentlich ein Wunder, dass er trotzdem treu sein konnte. Wenn man diese Lebensgeschichte so im Roman liest, dann wird das noch mal eindringlicher und eindrücklicher deutlich, wie im Bibeltext.

Der Roman ist von der Sprache und dem Stil her nicht unbedingt Literatur-Nobelpreis-verdächtig. Aber er ist auf jeden Fall gut und fesselnd geschrieben. Wer sich näher mit Jeremia beschäftigen möchte, für den ist dieses Buch ein idealer und kurzweiliger Einstieg in das Schicksal Jeremias.

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