Hermann Hesse: Roßhalde

Wie der Roman „Gertrud“ wieder ein Buch, das vor allem für Hesse selbst wichtig ist. Er spielt hier in Gedanken seine eigene gescheiterte Ehe durch und kommt zu der Konsequenz, dass er sich um der Kunst willen von seiner Familie befreien muss – was er dann einige Jahre später auch tut.

In dem Roman geht es um den Maler Veraguth, der auf dem schönen Anwesen Roßhalde mit seiner Frau und ihrem jüngsten Sohn Pierre lebt. Aber eigentlich leben sie gar nicht mehr zusammen: der Maler arbeitet und schläft in seinem Atelier, welches sich ein Stück entfernt vom Haupthaus befindet. Das einzige was die Eheleute noch zusammen hält, ist der von beiden sehr geliebte Sohn Pierre. Veraguth liebt ihn über alles und kann sich nicht dazu durchringen, seine Frau zu verlassen, weil er damit auch seinen Sohn verlieren würde.

Doch sein guter Freund Burkhardt, der in Indien lebt und für einige Tage auf der Roßhalde zu Besuch ist, erfasst die Situation sehr schnell. Er rät dem Maler die Familie zu verlassen, weil er sich in der ausweglosen Familiensituation und seinem umso intensiveren Arbeiten völlig aufreibt. Er lädt ihn ein, ihn in Indien zu besuchen. Nach einigem Zögern entschließt sich Veraguth diesen Vorschlag anzunehmen. Am Ende des Romanes wird die Trennung von der Familie radikal sichtbar: der junge Pierre erkrankt an einer Hirnhautentzündung und stirbt schließlich daran. Nun bleibt nichts mehr, was den Maler zurück hält.

Die ausführliche Schilderung dieses Sterbens fand ich ziemlich beklemmend. Vor allem wenn man weiß, dass der Autor selbst sich innerlich von seiner Familie entfernt und dann fünf Jahre später tatsächlich allein nach Montagnola zieht. Es scheint als ob er mit diesem Romantod den Abschied schon vorwegnimmt. Makaber ist auch, dass kurz nach dem Erscheinen des Roman Hesses eigener jüngster Sohn Martin ebenfalls an Hirnhautentzündung erkrankt – aber er überlebt.

Ist dieses Buch eine Rechtfertigung für Hermann Hesse dafür, dass ein Künstler um wirklich frei für seine Kunst zu sein, seine bürgerliche Familie hinter sich lassen muss? Nein, ich glaube es ist eher ein durchdenken und durcharbeiten der eigenen Gefühle und der verfahrenen Situation, in der sich Hesse sieht. Ich glaube er kommt mit seinem eigenen Leben nur klar, wenn er es auf schreibende Weise durchdenken, umformen und auf eine andere Ebene heben kann.

Für mich als Leser war dieser Roman weniger interessant, weil er eine sehr spezielle Situation in Hesses persönlichen Leben widerspiegelt. In vielen seiner anderen Romanen stellt er grundsätzlichere Fragen nach dem Leben und das ist dann auch für den Leser ergiebiger.

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