Henning Mankell: Tea-Bag

Das Buch wurde von vielen Literaturkritikern nicht gerade wohlwollend aufgenommen. Das kann ich durchaus verstehen, es hat seine Schwächen. Aber ich habe es trotzdem gerne gelesen.

Mankell hat mit diesem Buch ein Anliegen. Er will auf die schwierigen Umstände hinweisen, in denen viele Einwanderer in Europa leben und aus welchen Gründen sie aus ihrer Heimat fliehen. Ein ehrenwertes Anliegen und so manches wird einem beim Lesen bewusst, aber dieses Anliegen ist vielleicht auch die größte Schwäche des Romans: Mankells Anliegen ist zu offensichtlich, zu plakativ, zu durchschaubar.

Dem Titel nach geht es um eine junge Frau, die sich Tea-Bag nennt und die aus Afrika nach Schweden geflüchtet ist. Der Titel ist etwas irreführend, bzw. einseitig. Denn es geht eigentlich um drei Flüchtlinge: Neben Tea-Bag tritt im Roman Leyla aus Asien und Tanja aus Russland (hier sollen offensichtlich die wichtigsten Gebiete, aus denen Menschen nach Schweden fliehen repräsentiert werden). Aber die eigentliche Hauptperson ist der Schriftstelle Jesper Humlin. Er schreibt Gedichte, hat damit mäßigen Erfolg. Sein Leben steckt in der Krise: Sein Verleger drängt ihn dazu einen Kriminalroman zu schreiben, seine Freundin drängt ihn dazu, eine Familie zu gründen, seine Mutter ist ziemlich abgedreht und betreibt Telefonsex für Ältere, sein Vermögen geht am Aktienmarkt den Bach runter…

Das ist eine weitere Schwäche des Buches: Es schwankt zwischen einer übertriebenen Satire auf den Schriftstellerbetrieb und den selbstsüchtigen Sorgen eines schwedischen Mittelstandsbürgers auf der einen Seite und den zu Herzen gehende Schicksalen von Flüchtlingen auf der anderen Seite. Aber wahrscheinlich ist dieser krasse Gegensatz von Mankell so beabsichtigt, um uns den Spiegel vorzuhalten: Seht her mit welchen Problemen ihr euch beschäftigt, während andere um’s überleben kämpfen.

Der Schriftsteller begegnet den drei jungen Frauen und sie wollen bei ihm lernen, wie man Bücher schreibt. Das gelingt nicht so richtig, aber Jesper Humlin bekommt doch die Geschichten von den drei Flüchtlingen erzählt. Eine weitere Schwäche: Sie erzählen ihre Geschichten auf perfekte und pathetische Weise – so wie sie erzählen hat keine von ihnen einen Kurs nötig, um formulieren zu lernen.

Trotz allen Schwächen ist es ein gut geschriebenes Buch, das einem einen kleinen Einblick auf die andere Seite der ganzen Flüchlingsproblematik und Integrationsdebatte gewähren kann. Aber letztendlich geht es einem als Leser so, wie dem Schriftsteller Jesper Humlin am Ende des Buches: Er kann den drei Frauen nicht wirklich helfen, aber er nimmt seine Welt und auch sein Leben mit sensibleren Augen wahr.

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