Henning Mankell: Die italienischen Schuhe

Ein alter, eigenbrötlerischer und schweigsamer Mann, der durch eine frühere Liebe aus der inneren Einsamkeit geholt wird. Der frühpnesionierte Arzt hat sich nach einem schweren beruflichen Fehler zurück gezogen auf eine einsame schwedische Insel. Sein einziger regelmäßiger Kontakt zur Außenwelt ist der Postbote. Er ist nicht gerade sympathisch und steckt voller innerer Probleme. Am lebendigsten fühlt er sich, wenn er den Schmerz fühlt, der ihn beim täglichen Baden im Eis überwältigt.

Diese fragile Ruhe seines Lebensabends wird aus dem Gleichgewicht gebracht, als eines Tages die ehemalige Liebe seines Lebens auftaucht. Er hat sie in jungen Jahren ohne offensichtlichen Grund und ohne Erklärungen verlassen – seitdem hatte er keinen Kontakt mehr zu ihr. Diese Frau ist nun todkrank und taucht bei dem einsamen Eigenbrödler auf.

Eine schöne Geschichte, gut erzählt mit einer Hauptperson, die eigentlich ziemlich unsympathisch ist. Trotzdem kommt man dem alten Mann im Lauf des Buches näher, erahnt seine Angst vor Bindungen und hofft mit ihm, dass er aus seiner Einsamkeit und seinem Unfrieden (auch mit sich selbst) heraus findet. Gefallen hat mir v.a. die Figur des Postboten: ein neugieriger und hypochondrischer Mensch, den man trotz seiner aufdringlichen Art lieb gewinnt.

Insgesamt wirkt die Geschichte auf mich etwas konstruiert. Da werden viele ungewöhnliche und schwere Lebensschicksale in eine Geschichte zusammen gerührt. Mankell hat es offensichtlich darauf angelegt auf die Gefühlsdrüse zu drücken. Bei mir ist ihm das auch an manchen Stellen gelungen. Z.B. als die totkranke ehemalige Geliebte noch einmal ein Sommerfest feiern darf… Sehr gelungen diese Szene.

Bewerte diesen Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.