Haruki Murakami: 1Q84

Wer Murakami kennt und liebt, wird von diesem Buch begeistert sein. Andere werden das Buch vielleicht irgendwann befremdet aus der Hand legen. Ich hab schon verschiedene Romane von ihm gelesen und muss sagen: mit diesem Buch präsentiert er sich in Hochform.

Es geht um eine etwas sonderbare und ziemlich verzwickte Liebe zwischen zwei Menschen. Wie immer bei Murakami tauchen nach und nach surreale Elemente auf, welche den Leser aus seiner normalen Weltsicht heraus drängen. Aomame ist die weibliche Hauptfigur des Buches. Sie lernt in der Schule den Jungen Tengo kennen und hat – bis auf einen magischen Augenblick, in dem sie sich die Hände halten – nicht viel mit Tengo zu tun. Beide sind schon von klein auf Außenseiter. Sie verlieren sich nach der Schule aus den Augen und jeder lebt sein einzelgängerisches Leben. Und doch sehen beide unabhängig voneinander im andern die große unerfüllte Liebe ihres Lebens.

Die Welt der beiden gerät nach und nach aus den Fugen. Sie merken, dass sie in einer Art anderen Realität leben, die doch weitgehend identisch ist, mit ihrer vertrauten Welt. Ein Kennzeichen dieser neuen Welt ist z.B. dass es in ihr zwei Monde gibt. Diese Parallelwelt gibt dem Buch auch seinen Titel: Aomame hält für sich fest, dass sie nicht mehr im Jahr 1984 lebt, sondern nennt die Zeit in der sie lebt 1Q84. Das Q steht für das englische Wort „Question“, da es für sie in Frage steht, wie und warum ihr Jahr 1984 so seltsam geworden ist.

Natürlich gibt es noch manch andere Handlungsstränge, es geht um eine seltsame Sekte, die sich von der Welt abschottet, es gibt eine alte Frau, welche Männer umbringen lässt, weil diese ihre Frauen quälten, es geht um einen Roman, dessen Geschichte auf Erlebnissen einer schönen 17-jährigen beruht und der durch Tengo als Ghostwriter zum Bestseller wird und noch vieles andere. Mit dem Jahr 1984 spielt Murakami auch auf George Orwells großen Roman an, wobei bei Murakami dann kein großer Bruder auftaucht, sondern „Little People“, welche versuchen die Menschen zu beeinflussen. Eine ganze Welt voller seltsamer Figuren und Geschichten. Eine Welt in der Realismus und Surrelismus verschmelzen.

Das finde ich immer wieder bemerkenswert bei Murakami: wie er gerade durch einen sehr klaren und schnörkellosen Schreibstil die Realitäts- und Wahrnehmungsebenen miteinander verschmelzen lässt. Er schreibt äußerst flüssig, spannend und gut zu lesen. Mich haben seine Figuren und die Geschichte sehr schnell gefesselt und in ihren Bann gezogen. Interessant ist auch der Aufbau des Buches: jeweils abwechselnd geht es ein Kapitel lang um Aomame und ein Kapitel um Tengo. Im Lauf des Buches merkt man, wie sich diese beiden Erzählstränge immer mehr berühren und miteinander verwoben sind.

Etwas enttäuscht war ich am Ende des Buches, weil ich erst da gemerkt habe, dass diese gut 1000 Seiten erst der erste und zweite Teil einer Triologie ist. Das dritte Buch ist inzwischen auch auf deutsch erschienen, ich hab es aber noch nicht gelesen. Ich weiß also nicht, wie die Geschichte ausgeht und wie die zwei Hauptpersonen dann am Ende zusammenfinden. Bin schon gespannt…

(Amazon-Link: Murakami: 1Q84)

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2 Gedanken zu „Haruki Murakami: 1Q84“

  1. Murakami interessiert mich schon seit längerem als Autor. Da es das Buch vor einigen Tagen bei Amazon als Promotion für den Kindle umsonst gab, hab ich natürlich zugegriffen und mir das Buch geladen. Bin schon sehr gespannt darauf…

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