Genesis 2 – Der Mensch: Das Risiko Gottes

Bin richtig angetan von den Erklärungen und Bemerkungen von Douglass und Vogt zu dem Text. Sie starten nicht den verzweifelt-fundamentalistischen Versuch, die Bibeltexte mit aller Gewalt zu harmonisieren. Sie lassen die zwei Schöpfungsberichte in Genesis 1 und 2 in ihrer Unterschiedlichkeit stehen und versuchen, die tiefere Wahrheit der Texte zu erschließen. Sie sagen: Es geht „um Weisheit und nicht um Wissen“ (S.32). Schon damals war dem Menschen, der die zwei unterschiedlichen Berichte über die Schöpfung zusammengestellt hat, ihre teilweise widersprüchliche Aussagen über den genauen Ablauf der Schöpfung bewusst. Gerade diese Zusammenstellung zeigt, dass es nicht um den vordergründigen Ablauf geht, sondern um die tiefere Weisheit dieser Texte.

Etwas, das in Genesis 2 besonders deutlich wird, ist die Gabe der Freiheit. Gott hat dem Menschen die Freiheit gegeben, sich für oder gegen ihn zu entscheiden. Dafür steht in dieser zweiten Schöpfungserzählung der Baum der Erkenntnis. Gott hat ihn in die Mitte des Gartens gepflanzt und dem Menschen die Freiheit gelassen: Entweder er gehorcht Gottes Gebot und isst nicht davon, oder er gehorcht nicht, isst und muss dann auch die Konsequenzen tragen. Gott ist damit bei der Erschaffung des Menschen ein großes Risiko eingegangen. Helmut Thielicke nennt darum den Menschen „das Risiko Gottes“.

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