Genesis 1 – Schöpfung

Ein sehr bekannter Bibeltext, bei dem man schnell in der Gefahr ist, gedankenlos darüber hinweg zu lesen. Gut gefallen hat mir auch hier wieder die Neuübersetzung von Fabian Vogt. Dadurch wird der vertraute Text wieder etwas lebendiger. Beim Bibeltext selbst bin ich v.a. an der Stelle hängen geblieben, dass der Mensch über die Tiere herrschen soll. In der neuen Übersetzung wurde mir sehr viel deutlicher als bisher, dass damit eben nicht nur die Haus- und Nutztiere gemeint sind, sondern alle Tiere: Die Fische, die Würmer, die Wildtiere.

Hier wird deutlich, dass herrschen in diesem Zusammenhang nicht mit „beherrschen“ verwechselt werden darf. Denn wie soll ich die unzähligen Würmer, die im Erboden herumkriechen und die Milliarden von Fischen, die sich im Meer herumtummeln, beherrschen? Es geht wohl eher darum, dass wir Menschen verantwortlich sind für die ganze Schöpfung, auch für die Lebewesen, die wir nicht so einfach „beherrschen“ können.

In ihren Erklärungen gehen die Autoren sehr gut auf den scheinbaren Widerspruch zwischen Naturwissenschaft und Glaube ein. Sie betonen die unterschiedliche Aufgabenverteilung von Naturwissenschaft und Glaube. Die Naturwissenschaft klärt die Frage nach dem wie der Schöpfung und der Glaube fragt nach dem „Woher, Warum und Wozu“. Beides hat seine Berechtigung. Und natürlich haben die biblischen Autoren auf dem Hintergrund ihres damaligen Weltbildes (so wie die Naturwissenschaft damals die Welt gesehen haben) die Erschaffung der Welt durch Gott beschrieben. Wie sonst? Sie haben die Glaubensaussage, dass ein persönlicher Gott die Welt erschaffen hat, mit ihrem damaligen Wissen verbunden. Das Wissen über die Entstehung der Welt verändert sich und es wird sich auch in Zukunft verändern. In hundert Jahren wird man wieder ganz anders darüber denken als heute. Aber die Glaubensaussage dass Gott der Schöpfer ist – die bleibt.

Sehr interessant und spannend fand ich die Betonung der Autoren, dass die Schöpfung von Anfang an auch eine bedrohte Schöpfung ist. Die Erde war zu Beginn „wüst und leer“ (im hebr.: Tohuwabohu) und Gott muss erst mal Ordnung rein bringen. Douglass und Vogt betonen nun, dass diese Gefährdung der Schöpfung nicht nach den sieben Schöfpungstagen einfach beseitigt ist, oder dass sie erst duch den Sündenfall in die Welt kam, sondern dass diese Gefährdung durch das Chaos ganz einfach zur Schöpfung dazu gehört. Leben ist und bleibt ein höchst verletztliche Angelegenheit. Das deckt sich mit meiner Wahrnehmung der Wirklichkeit: Auch wenn Gott alles sehr gut erschaffen hat, so ist die Gefahr dass vieles im Chaos versinkt doch allgegenwärtig.

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