Gebet – Dinge lösen oder ertragen

Habe bei Thomas von Kempen eine wundervolle Beschreibung für’s (Bitt-)Gebet gefunden: „Wende dich bei allem, was dir hinderlich im Wege steht, zuerst an Gott mit der Bitte, dass er dir helfen möge, die Dinge zu lösen oder zu ertragen.“ (Neuübertragung der „Nachfolge Christi“; Peter Dyckhoff: Auf dem Weg in die Nachfolge Christi, S. 50)

Das finde ich eine gute Beschreibung für Bittgebete: Dass wir uns darin Gott zuwenden mit der Bitte, dass er hilft (das ist nicht das Gleiche wie „bewirken“!), Dinge zu lösen oder zu ertragen. Ich denke, beide Perspektiven sind notwendig: Erhörung eines Gebets kann darin bestehen, dass sich meine Not auflöst oder aber auch, dass ich die Kraft bekomme, sie zu ertragen.

Wir können da nicht eine Dimension auf Kosten der anderen ausspielen, beides gehört zu einem erhörten Gebet. Als Menschen neigen wir dazu, entweder mehr in die eine Richtung oder die andere zu tendieren. Für manche ist ein Gebet nur dann erhört, wenn sich die Probleme (möglichst noch auf übernatürliche, unerklärliche Weise) auflösen. Andere erwarten gar nicht ernsthaft, dass Gott helfen kann, Probleme einfach so aus dem Weg zu räumen und bitten nur scheinbar demütig um die Kraft, die Not zu tragen (ich selbst tendiere eher zu der zweiten Sorte). Aber zum Gebet gehören beide Dimensionen.

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