Galater 5, 13-26 Frucht des Geistes

Wenn man den Galaterbrief im Zusammenhang liest, dann stellt man fest, dass sich Paulus darin intensiv mit der Bedeutung des Gesetzes (= der alttestamentlichen Gebote) für den Christen auseinandersetzt. In den ersten vier Kapitel betont er vor allem das Gegenüber von Gesetz und Glaube: Wir werden nicht gerecht durch Gesetzeserfüllung, sondern durch Glaube. Im fünften Kapitel geht es dann um die Frage, welche Auswirkungen das dann auf das praktische Leben der Christen hat (theologisch gesprochen: auf die Ethik). Wenn Menschen nicht mehr den Druck des Gesetzes spüren, warum sollten sie sich dann noch anstrengen ein gutes, liebevolles Leben zu führen? Sind sie dann nicht frei zu tun und zu lassen, was sie gerade wollen?

Im Bereich der Ethik führt Paulus nun einen weiteren Begriff ein: den Geist. In der Ethik ist der Gegensatz zum Leben unter dem Gesetz nicht die grenzenlose Gesetzlosigkeit, sondern ein Leben im Geist. Ein gutes, liebevolles Leben erreichen wir nicht durch gesetzlichen Druck von außen, sondern durch Gottes Geist, der in unserem Inneren wirkt. Wer zu Gott gehört, bei dem wird der Geist Frucht bringen.

Trotzdem bleibt auch der Christ in einer Spannung, auch der Christ muss kämpfen. Aber der entscheidende Kampf ist nicht mehr der Gehorsam gegenüber dem Gesetz, der Kampf um die korrekte Erfüllung von Gesetzen und Geboten, sondern der entscheidende Kampf geht darum, ob ich mich von Gottes Geist bestimmen lasse oder von meinen selbstsüchtigen Wünschen. Entscheidend ist nicht, was ich äußerlich tue, sondern woran innerlich mein Herz hängt. Wenn ich so nahe wie möglich bei Gott bin und mich von seinem Geist leiten lasse, dann werden die äußerlichen Taten von selbst kommen. So wie die Frucht von einem guten Baum von selbst kommt. Nicht weil der Baum unbedingt Früchte hervorbringen will, sondern weil er gar nicht anders kann. Wenn er seine Wurzeln im Boden hat, genügend Wasser und Sonne hat, dann kommen die Früchte von selbst.

| Bibeltext |

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