Galater 4, 21-31 Verstoßen oder nicht verstoßen?

Sehr kritisch und polemisch vergleicht Paulus hier den Bundesschluss am Sinai mit dem neuen Bund in Christus. Das eine ist für ihn ein Bund der Knechtschaft (er vergleicht diesen Bund allegorisch mit Ismael, dem Sohn den die Magd Hagar dem Abraham gebar) und das andere ist für ihn ein Bund der Freiheit (er vergleicht diesen Bund mit Isaak, dem Sohn der Sara aufgrund der Verheißung Gottes dem Abraham gebar): „So sind wir nun, liebe Brüder, nicht Kinder der Magd, sondern der Freien.“ (V.31) Aus diesem Vergleich zieht Paulus auch eine harte Konsequenz für den jüdischen Sinaibund: „Stoßt die Magd hinaus mit ihrem Sohn; denn der Sohn der Magd soll nicht erben mit dem Sohn der Freien.“ (V.30)

An anderer Stelle sieht Paulus den Status des jüdischen Volkes differenzierter: „Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvor erwählt hat.“ (Röm. 11,2) Der Vergleich dieser beiden Stellen zeigt mal wieder, wie wichtig es ist, Bibelstellen aus ihrem Kontext heraus zu verstehen und sie in das Gesamtzeugnis der Schrift einzubetten. Mit einzelnen Bibelversen kann man alles mögliche begründen und dabei auch noch bibeltreu erscheinen.

Die beiden Stellen stehen zumindest in einer gewissen Spannung. Zur richtigen Einordnung ist der Zusammenhang wichtig. Im Galaterbrief spricht Paulus zu Heidenchristen, die in der Gefahr sind, neben dem Glauben an Jesus Christus wieder das alttestamentliche Gesetz in jüdischem Verständnis aufzurichten. In dieser Situation argumentiert Paulus sehr scharf gegen das Gesetz und den Sinaibund. Es geht ihm hier um die Freiheit vom Gesetz als Heilsweg. Im Römerbrief beschäftigt sich Paulus dagegen grundsätzlicher mit der Frage, ob Gottes Volk auch ohne die Erkenntnis Jesu Christi gerettet werden kann. Und hier hält er an der Erwählung Israels fest – obwohl er auch im Römerbrief das Gesetz nicht als Heilsweg zu Gott ansieht. Trotzdem hat Gott auch mit Israel einen Weg und er verwirft sein erwähltes Volk nicht einfach.

| Bibeltext |

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