Galater 3, 15-25 Das Gesetz

Paulus begnügt sich nicht mit einer autoritären Zurechtweisung, sondern er will überzeugen und argumentiert daher theologisch ziemlich anspruchsvoll und differenziert. Zunächst führt er in diesem Abschnitt die Zeitebene an: die Verheißung an Abraham (dass wir durch Glaube gerecht werden) ist älter als das Gesetz (das erst Mose während der Wüstenwanderung empfangen hat) und wird durch das Gesetz auch nicht ausgesetzt. Sie ist daher wichtiger und zentraler als das Gesetz.

Dann stellt sich allerdings die logische Frage: „Was für einen Sinn hat dann das Gesetz? Es ist hinzugefügt worden, damit die Macht der Sünde in den Gesetzesübertretungen sichtbar wird.“ (V.19, Gute Nachricht Bibel) Das Gesetz kann uns also unsere Sünde aufzeigen, sie aber nicht beseitigen. Daneben ist das Gesetz für Paulus ein „Aufseher“ (Gute Nachricht Bibel; Luther übersetzt mit „Zuchtmeister“). In der damaligen Zeit gab es Sklaven, die auf die Kinder aufgepasst haben – damit vergleicht Paulus das Gesetz: „es war für uns wie der Sklave, der die Kinder mit dem Stock zur Ordnung anhält.“ (V.24, Gute Nachricht Bibel)

In der Theologie werden diese zwei Funktionen des Gesetzes als „usus elenchticus“ (das Gesetz zeigt uns unsere Sünde auf) und als „usus politicus“ (das Gesetz sorgt für eine äußere Ordnung des Zusammenlebens) bezeichnet. Das ist das, was all die Gebote und Forderungen Gottes leisten können (und das ist nicht wenig!): sie können das äußere Zusammenleben der Menschen ordnen und uns aufzeigen, dass wir im Innersten die Forderungen Gottes nach wahrer Menschen- und Gottesliebe doch nie ganz erfüllen können – wir scheitern immer wieder daran und werden uns dadurch unserer Sünde bewusst. Wirklich beseitigen kann unserer Sünde nur einer: Jesus Christus.

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