Galater 2, 19-21 Christus in mir

Faszinierend, wie bei Paulus der Zoff mit Petrus nicht in Polemik und Beldeidigungen ausufert, sondern wie der Abschnitt in einem der theologisch dichtesten und poetischten Texten des Neuen Testaments gipfelt: „Ich lebe, doch nun nicht ich ,sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben.“ (V.20)

Diesen Vers habe ich bis jetzt immer eher als eine Herausforderung gelesen, als eine Beschreibung, wie das Leben als Christ aussehen sollte, wie man Christus in der Nachfolge ähnlicher werden sollte. Heute ist mir der Zusammenhang aufgefallen: Es geht nicht um die Aufforderung zu einem heiligen Leben, sondern es geht um die bereits geschehene Rechtfertigung in Jesus Christus. Es geht nicht um ein „so soll es sein“, sondern um ein „so ist es“! Es geht nicht um die Forderung sich selbst immer kleiner zu machen, damit Christus in uns wächst, sondern um die Feststellung, das dies durch Jesu Tod am Kreuz schon so ist.

Ich bin vor Gott gerecht und heilig, weil Christus für mich gestorben ist. Ich muss das nicht erst erreichen, sondern es ist schon längst so. Das ist ja gerade der Punkt von Paulus: nicht durch gesetzliche Anstrengung werde ich gerecht vor Gott, sondern im Vertrauen auf Christus, der jetzt schon in mir lebt, der jetzt schon für mich gestorben ist. Wenn Gott mich anschaut, dann sieht er nicht den menschlichen Versager und Sünder, sondern Christus in mir. Es bleibt natürlich die Herausforderung, dieser Tatsache auch mit meinem Leben zu entsprechen – aber ich muss diese Tatsache nicht erst durch mein Leben herstellen!

| Bibeltext |

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