Galater 2, 11-18 Ein Herz und eine Seele

Dieses Stelle zeigt, dass es trotz der grundsätzlichen Einigung zwischen Judenchristen und Heidenchristen im praktischen Miteinander noch genügend Konfliktpotential gab. Paulus hat sich mit den Ältesten von Jerusalem geeinigt, dass Petrus für die Judenchristen zuständig ist und Paulus für die Heidenchristen. Die Judenchristen befolgen weiterhin die jüdischen Speisegebote, die Heidenchristen müssen das nicht tun. Wie sieht aber nun das konkrete Miteinander von Juden- und Heidenchristen in einer Gemeinde aus?

In Antiochien war es offensichtlich so, dass Juden- und Heidenchristen trotz unterschiedlicher Auffassungen über Speisegebote Tischgemeinschaft hatten (wobei die Judenchristen sich wohl an die jüdischen Speisevorschriften hielten). Als Petrus aus Jerusalem zu Besuch kam, schien er das auch zu akzeptieren und nahm an der Tischgemeinschaft teil. Nun kam aber weiterer Besuch aus Jerusalem und die hatten eine andere Meinung: sie wollten nicht zusammen mit den Heidenchristen essen, weil das nach ihrem Verständnis ein Bruch mit dem Judentum zur Folge hätte. Petrus will diesen Judenchristen keinen Anstoß bieten und verzichtet dann ebenfalls auf die Tischgemeinschaft mit den Heidenchristen.

Paulus platzt daraufhin der Kragen. Öffentlich stellt er Petrus zur Rede. Durch sein Handeln hatte dieser die Heidenchristen zu Christen zweiter Klasse gemacht. Durch sein Handeln hatte er deutlich gemacht: Um ein vollwertiger Christ zu sein, muss man auch die jüdischen Speisegebote einhalten. Damit sagt er aber implizit, dass man als Christ nicht nur auf die Gnade angewiesen ist, sondern daneben auch bestimmte Vorschriften des Gesetzes einhalten muss. Leider berichtet Paulus nicht, wie Petrus darauf reagiert hat…

Da ging es ganz schön ab, unter den Urchristen! Es war offensichtlich nicht immer so idyllisch, wie Lukas das in seiner Apostelgeschichte dargestellt hat: „Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele.“ (Apg. 4,32)

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