Frost und Hirsch: Der wilde Messias

Viele gute und richtige Gedanken hab ich in diesem Buch gefunden. Aber ich hab mich oft über die Art und Weise und den Stil geärgert, in welchem diese Gedanken von Frost und Hirsch präsentiert werden. Natürlich wollen sie aufrütteln und provozieren – aber auf mich wirkt das all zu oft einfach nur arrogant und überheblich. Ihr Anliegen ist, dass wir „den wirklichen Jesus wieder in unsere Kirchen zurückholen.“ (S. 237) Sie sagen, dass im Lauf der Kirchengeschichte viele falsche Jesus-Bilder entstanden sind und wir uns wieder ganz neu am Original-Jesus ausrichten müssen. Sie sprechen vom „spirituellen Bankrott der Kirche in der westlichen Welt“ (S. 52).

Das heißt doch: „Ihr liegt alle falsch mit euren Jesus-Bildern. Ihr habt euch alle einen Jesus nach euren Wunschbildern zusammen gezimmert. Jetzt hört mal her und lest: Wir bringen euch den richtigen, echten Jesus wieder zurück.“ So etwas ärgert mich! Wahrscheinlich soll es auch ärgern. Das ist ja okay, wenn uns ein Buch aufrüttelt. Was ich nicht okay finde, ist mit welchem Anspruch Frost und Hirsch hier auftreten. Sie vertreten viele gute Wahrheiten (ihr Hauptanliegen: Als Christ sollen wir uns an Christus orientieren – Super! Genau richtig). Aber es schwingt immer der Vorwurf mit, dass alle anderen Christen (außer ihnen selbst natürlich) das nicht kapiert haben und nicht danach leben.

Manches mal kommen sie mir sehr naiv vor: So als ob sie jetzt plötzlich die glorreiche Idee haben, unser Jesusbild von allen falschen Traditionen zu befreien und uns endlich wieder den biblischen Jesus zurück zu bringen (naja, es geht ja nicht einmal um den biblischen Jesus, sondern um den „wirklichen“ Jesus). Dabei wissen sie doch selbst sehr gut, dass auch sie selbst nur ein weiteres Jesusbild in diese Tradition einreihen können. Niemand von uns hat den „wirklichen“ Jesus in der Hand, niemand kann Jesus so erfassen, wie er „wirklich“ ist. Wir sind Menschen, die auf ihre Sinne und ihren Verstand begrenzt sind und wir können uns nur durch Bilder an Gott und Jesus annähern.

Abgesehen von diesem überheblichen Stil (der vielleicht gar nicht so gemeint ist), fand ich das Buch sehr anregend zu lesen und es provoziert den Leser zurecht, auch über sein eigenes Jesusbild nachzudenken. Es stimmt: Jesus ist nicht nur der harmlose Jesus mit Heiligenschein und verklärtem Blick, er ist auch der wilde, ungezähmte, radikal barmherzige und immer überraschende Messias. Es stimmt: wir haben Jesus viel zu sehr abgeschliffen, die Ecken und Kanten geklättet und ihn schön eingepasst in unsere westliche Mittelstandsreligion.

Und es stimmt auch, dass es nicht auf irgendwelche christliche Institutionen, Ämter und Organisationen ankommt, sondern allein auf Jesus selbst und die lebendige Gemeinschaft der Menschen, die ihm nachfolgen. Aber schon im Neuen Testament können wir doch entdecken, wie die Christen mit der Zeit ganz selbstverständlich angefangen haben, diese Gemeinschaft zu organisieren und bestimmte Ordnungen und Ämter eingeführt haben. Richtig ist der Hinweis, dass diese äußerlichen Dinge nicht wichtiger als die Sache selbst werden dürfen.

Ich sehe den Kernpunkt von Frost und Hirsch genau so: „Wir sind der festen Überzeugung, dass Christologie der Schlüssel für eine Erneuerung der Kirche ist… Die Kirche muss beständig zurück zu Jesus, um die so notwendige Erneuerung zu finden.“ (S.52f) Aber diese Erneuerung braucht auch den Respekt gegenüber anderen Christen, die auf ihre Weise versuchen, Jesus nahe zu sein. Und sie braucht die Demut, auch mit der Begrenztheit des eigenen Jesusbildes zu rechnen.

PS: Übersetzt wurde das Buch übrigens von jemand aus meiner Blogroll. Von Björn Wagner, der auf journeyfiles.de bloggt. 🙂

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