Feridun Zaimoglu: Leyla

Noch ein interessantes Buch, das ich im Urlaub lesen konnte: Leyla von Feridun Zaimoglu. Hat mich jetzt nicht unbedingt gefesselt, war aber doch ein interessantes und gutes Buch. Der Autor beschreibt die Geschichte einer anatolischen Familie in den fünfziger Jahren. Hauptperson ist die jüngste Tochter Leyla, zu der man in ihrem etwas naiven aber sehr standhaften Wesen schnell Sympathien entwickelt.

Die Stärken des Buches sind seine kraftvolle und poetische Sprache und der manchmal bis ins Mark gehende Realismus, mit dem das harte Leben damals geschildert wird. Immer wieder erschrickt man über die Brutalität dieser patriarchalischen Kultur. Der Autor ist selbst in diesem Umfeld aufgewachsen und man nimmt ihm ab, dass er weiß wovon er schreibt. Ich wurde beim Lesen immer wieder neu dankbar dafür, dass ich nicht unter solchen Umständen leben muss… Schön ist, dass inmitten all dem Schrecklichen auch Leyla immer wieder gute Erfahrungen von Freundschaft und Zusammenhalt machen darf.

Das Buch ist gut zu lesen und der Autor beschreibt auch fesselnd das Lebensgefühl der dargestellten Personen. Aber es ist natürlich auch kein Thriller mit durchdachtem Plot, der von Höhepunkt zu Höhepunkt eilt. Es ist eher die Fahrt eines langsamen Dampfers über die Wellen der damaligen Welt: Man hat viel Zeit um das Panorama einer fremden Welt und Kultur zu überblicken. Ich hatte am Ende nicht das Gefühl, dass Leyla endlich ein Ziel erreicht hat und man nun erleichtert aufatmen kann. Mir ging es eher so, dass ich sie ein Stück auf ihren Leiden und Freuden begleiten konnte und ich am Ende für sie hoffte, dass es besser für sie weitergeht…

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