Fedora 11

Fedora-logo
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Fedora ist die Open-Source Test- und Spielwiese für die kommerzielle Linux Distribution von Red Hat. Das heißt dass Fedora freie Software ist und von der Community entwickelt wird, dass es aber manche, auch finanzielle Unterstützung und Verknüpfung zu der Firma Red Hat gibt. Das was in Fedora getestet wird, kommt irgendwann auch in der kommerziellen Distribution von Red Hat zum Einsatz.

Die vier Grundsätze von Fedora sind: Freedom, Friends, Features, First (vgl. die Beschreibung auf der Fedora-Seite).

Die vier Grundsätze von Fedora
Die vier Grundsätze von Fedora

Freedom steht dafür, dass Fedora nur freie Software verwendet. Keine proprietäre (= urheberrechtlich geschützte) Software soll zum Einsatz kommen, sondern nur Open Source Software (Offene Quellen: Die Quellcodes der Software sind frei zugänglich und einsehbar). Friends steht für die Community (= Gemeinschaft). Die Weiterentwicklung von Fedora geschieht nicht in einem geschlossenen Zirkel, sondern in der offenen Community. Features steht für den Willen möglichst viele technische Features in Fedora einzubauen, die Fedora, aber auch Linux insgesamt vorwärts bringen und besser benutzbar machen. Schließlich steht First dafür, dass Fedora die ersten sein möchten, die neue, innovative Entwicklungen in ihre Distribution aufnehmen. Fedora hat deswegen den berechtigten Ruf, eine „bleeding edge“-Distribution zu sein. Es wird vorzugsweise die neuste Software benutzt, die noch so manche Ecken und Kanten hat. D.h. dass die Software teilweise noch nicht ganz ausgereift ist, dafür aber brandaktuell.

Installation

Für meine Installation habe ich die Gnome-Live-CD verwendet. Dabei bin ich bei der Installation gleich auf die ersten schwerwiegenden Probleme gestoßen (man könnte auch sagen: eine scharfe Kante, an der man sich blutig schlagen kann 😉 ): Bei der benutzerdefinierten Installation auf eine freie Partition meiner Festplatte kam es zu zwei widersprüchlichen und scheinbar unauflöslichen Fehlermeldungen. Fedora 11 verwendet als neuen Standard für das File-System EXT4. Wenn ich nun aber meine freie Partition als EXT4 verwenden möchte, kommt die Fehlermeldung: „Bootbare Partitionen können nicht auf einem ext-4 Dateisystem sein.“ Ich denk mir: Okay, dann nehm ich halt das ältere EXT3. Und siehe da: Auch hier kommt eine Fehlermeldung (dieses mal auf Englisch! Schlecht!) – nämlich, dass mein Wurzelverzeichnis nicht dem Live-Image entspricht und dass es als EXT4 formatiert werden muss. Tja, Pech gehabt?!

Der Hintergrund von diesem Problem: Fedora 11 verwendet Grub als Bootloader. Grub kann jedoch noch nicht mit EXT4 umgehen (erst ab der neuen Version Grub2). Die Lösung des Problems: Entweder man lädt sich die DVD zur Installation runter, damit kann man die Partition auch als EXT3 formatieren und verwenden. Oder man legt zwei Partitionen für Fedora an: Ein kleine (100-200 MB) „/boot“ Partition, die als EXT3 formatiert wird und eine größere „/“ Partition, die mit EXT4 formatiert wird. Das hab ich dann auch gemacht und es hat wunderbar funktioniert. Allerdings fand ich es ziemlich ärgerlich, dass es bei einer modernen Linux-Distribution zu solch einem Problem kommen kann und v.a. dass bei der Installation keinerlei konkreten Hinweise auftauchen, wie man damit umgehen soll.

Warnmeldung bei der Installation (1)
Warnmeldung bei der Installation (1)
Warnmeldung bei der Installation (2)
Warnmeldung bei der Installation (2)
Partitionierung mit extra Boot-Partition
Partitionierung mit extra Boot-Partition

Ärgerlich ist auch, dass Fedoras Boot-Manager bei mir außer Fedora und Windows (das dezent als „Other“ eingebunden wird 😉 ) keine anderen Betriebssysteme erkannt hat. Ich hab noch Debian und Archlinux auf dem Rechner – keine Spur davon im Boot Manager. Bei einer Distribution, die Wert auf freie Software legt, sollte man doch erwarten können, dass andere Linux-Systeme zumindest genau so gut erkannt werden wie Windows!

Ansonsten war die Installation problemlos und sehr schnell. Das Installieren der Software selbst brauchte weniger als 10 Minuten! Meine Hardware wurde sehr gut erkannt und z.B. auch meine Multimediatasten gleich richtig konfiguriert. Sehr schön! Nur das Soundsystem „Pulseaudio“ scheint immer noch so seine Kinderkrankheiten zu haben: Beim Login-Sound gibt es bei mir regelmäßig einen kleinen Aussetzer. Aber ansonsten funktioniert der Sound mit meiner Intel-Soundkarte gut.

Kommen wir jedoch zum nächsten Problem: Die NVIDIA-Grafikkarte. Die wurde richtig erkannt und Fedora verwendet als Treiber die neuen und freien noveau-Treiber. Die funktionieren besser als die alten nv-Treiber, bieten aber noch keine 3D-Unterstützung. Wer ab und zu mal ein Spiel machen möchte oder die schicken Compiz-Effekte nutzen möchte braucht notgedrungen den proprietären Linux-Treiber von NVIDIA. Naja, dürfte ja kein großes Problem sein: Es gibt für Fedora das rpm-Fusion Repo, mit dem sich auch nicht freie Software über die Paketverwaltung einspielen lassen. Die Einbindung ging auch gut und problemlos (vgl. Anleitung auf rpmfusion). Das Installieren der NVIDIA-Treiber funktionierte bei mir jedoch nicht. Auch nach viel rumprobieren wollten die Treiber nicht laufen. 🙁 Um meine Grafikkarte richtig zu nutzen, musste ich den Originaltreiber von NVIDIA runterladen und von Hand installieren. Damit läuft’s jetzt prima…

Überhaupt gibt es da noch manche Abstimmungsprobleme was nicht freie Software angeht. Auch das Einbinden von Multimedia Codecs, die man z.B. für die Wiedergabe von mp3 braucht ist nicht ganz so einfach wie z.B. bei ubuntu. rpmfusion wird ja bei einer Standard-Installation nicht als Repo mit eingebunden. Wer das will, muss das später selbst erledigen (ist ja auch okay so, denn Fedora steht für freie Software ein). Wenn man nun aber nach der Standard-Installation versucht, eine mp3-Datei abzuspielen, dann erkennt Fedora richtig, dass die nötigen Codecs fehlen und schlägt vor, sie zu suchen und einzubinden. Toll! Funktioniert aber leider nicht, solange man nicht selbst das rpmfusion-Repo eingebunden hat. Da kommt dann nur die Fehlermeldung, dass die nötigen Codecs nicht gefunden wurden. Das ist alles nicht besonders Einsteiger-freundlich. Wer da nicht ein bisschen Ahnung von Fedora hat, ist schnell aufgeschmissen.

Hier noch die Schnell-Version für die Installation der Multimedia-Codecs über ein Terminalfenster:

Zuerst die rpmfusion Repos einbinden:

su -c 'rpm -Uvh http://download1.rpmfusion.org/free/fedora/rpmfusion-free-release-stable.noarch.rpm http://download1.rpmfusion.org/nonfree/fedora/rpmfusion-nonfree-release-stable.noarch.rpm'

Dann die gstreamer-plugins-ugly installieren:

yum install gstreamer-plugins-ugly

Neuerungen

Die zwei wichtigsten Neuerungen für mich sind das neue File-System ext4, welches mehr Performance und Zuverlässigkeit bringt, und der schnellere Bootvorgang. Fedora wirbt damit nur 20 Sekunden für den Start zu brauchen (vom Bootloader bis zum grafischen Login). Das ist ein Durchschnittswert, der je nach Hardware noch einmal anders aussehen kann. Auf meiner Hardware (viereinhalb Jahre alt; Pentium 4) wird das nicht ganz erreicht, aber Fedora ist bei mir bis jetzt trotzdem die am schnellsten startende Distribution. Beeindruckend!

Auch sonst gibt es jede Menge neue Features. So z.B. die Verwendung der neuen freien noveau-Treiber für NVIDIA (die aber wie oben beschrieben, keine 3D Unterstützung bringen) oder die Unterstützung für Kernel-based Mode-Setting (KMS), die allerdings nur bei Intel Grafikchips funktioniert. Das KMS sorgt für einen flickerfreien Bootvorgang. Mit meiner NVIDIA Grafik komme ich nicht in den Genuss und muss mich mit einem simplen Fortschrittsbalken beim Boot begnügen.

Die Software ist hoch aktuell. Es wird der Kernel 2.6.29 verwendet und alle Pakete wurden mit gcc 4.4 erstellt. Gnome ist in der Version 2.26.2 mit dabei, man kann aber auch KDE 4.2.3 oder Xfce 4.6.1 verwenden. Bei Firefox wird sogar schon als Standard die aktuelle Beta-Version von 3.5 installiert und wenn man Thunderbird aus den Repos installiert bekommt man ebenfalls eine Beta von Version 3 (Beides hat bei mir bis jetzt ohne Probleme funktioniert, wobei die Firefox-Beta in der Entwicklung wohl schon weiter und stabiler ist, als die Thunderbird-Beta; d.h. dass die Auswahl von Thunderbird 3 durchaus gewagt ist).

Vgl. zu den vielfältigen Neuerungen auch die Feature List bei Fedora.

Design

Der Fedora Desktop der Live-CD
Der Fedora Desktop der Live-CD

Naja! Den neuen Desktop Hintergrund finde ich sehr gelungen, der gefällt mir. Ansonsten wirkt das Design auf mich ziemlich angestaubt. Das knallige blau der Fensterrahmen passt überhaupt nicht zu dem dezenteren blau des Hintergrundes. Dazu viel biederes und langweiliges grau… Mein Fall ist es nicht.

Insgesamt scheint man bei Fedora mehr Wert auf die technische Basis, als auf die optische Wirkung zu legen. Find ich prinzipiell auch richtig und gut so. Aber ein bisschen mehr Glanz für die Oberfläche würde auch nicht schaden. Und so manches Detail ärgert einfach: Z.B. ist beim Gnome Desktop von Fedora die Standardeinstellung des Dateimanagers Nautilus so, dass Ordner jeweils einzeln in einem neuen Fenster ohne Navigation gezeigt werden. Wird ein Ordner in diesem Fenster angeklickt, öffnet sich ein neues Fenster. In der Praxis ist solch eine Einstellung total unbrauchbar. Das kann man natürlich ändern, aber es zeigt keine große Liebe zum Detail, wenn die Standardeinstellungen so gelassen wurden.

Die Standard Ansicht des Filemanagers
Die Standard Ansicht des Filemanagers
Veränderte Ansicht des Filemanagers
Veränderte Ansicht des Filemanagers
Theme Auswahl
Theme Auswahl: Wenig Neues

Leistung und Stabilität

Super! Schnell und stabil. Zum Bootvorgang hab ich oben schon geschrieben, dass er, zumindest auf meiner Hardware, der schnellste ist, den ich bis jetzt erlebt habe (und ich habe schon Dutzende von verschiedenen Linux-Distris ausprobiert…). Das arbeiten mit dem Desktop ist auch flüssig und schnell. Die Software-Verwaltung ist auch deutlich schneller geworden. Trotz der hochaktuellen Software habe ich von der Stabilität her bis jetzt keine Einschränkungen bemerkt.

Fazit

Insgesamt hab ich zu Fedora 11 gemischte Gefühle: Wenn mal alles läuft und man sich selbst den Desktop ein bisschen verschönert hat, ist es eine tolle, schnelle und zuverlässige Arbeitsumgebung. Aber bis es soweit ist, muss man manche Arbeit investieren.

Meine Meinung: Fedora 11 ist für Bastler und Linux-Enthusiasten eine fantastische Distribution. Viele innovative Features, eine tolle technologische Grundlage, hochaktuelle Software, gute Geschwindigkeit. Für Einsteiger gibt es sicher einfachere und komfortablere Distributionen.

Weitere Screenshots

automtische Updates nach der Installation
automtische Updates
Die Paketverwaltung
Die Paketverwaltung
Compiz Aktivierung
Compiz Aktivierung
Desktop mit Compiz-Würfel
Desktop mit Compiz-Würfel
Eine der Neuerungen in Firefox 3.5: Privater Modus
Eine der Neuerungen in Firefox 3.5: Privater Modus
Standard Bildbetrachter Eye of Gnome funktionierte bei mir nicht
Standard Bildbetrachter Eye of Gnome funktionierte bei mir nicht
Thunderbird 3
Thunderbird 3
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