Exodus 28 Das predigende Gewand

Ausführlich wird in diesem Kapitel die Kleidung des Hohepriesters dargestellt. Ich finde das auf der einen Seite interessant, auf der anderen Seite bleibt es mir fremd. Einerseits ist es ein spannender Gedanke, dass hier die Bekleidung selbst zur Predigt wird. Der Hohepriester trägt die Namen der zwölf Stämme Israels auf seinen Schultern und auf seinem Herzen. Auf einem Stirnblatt steht „Heilig dem Herrn.“ Insgesamt macht das herrliche und kostbare Gewand deutlich, dass die Persönlichkeit des Priesters zurück tritt und der Auftrag des Priesters ihm selbst und anderen vor Augen geführt wird.

Als evangelischer Theologe bin ich dagegen doch sehr verkopft. Im evangelischen Bereich haben wir in den letzten Jahren gemerkt, dass auch Symbole, Riten und ganzheitlich gelebter Glaube wichtig sind – aber in der Praxis tun wir uns oft schwer damit. Unser Glaube ist oft sehr verkopft und abstrakt. Von da her bringt es mich zum Nachdenken, wie hier alleine mit der Kleidung gepredigt wird.

Andererseits stößt mich dieser Prunk und die besondere Kleidung für Würdenträger auch ab. Wenn ich das ganze Brimborium sehe, mit dem sich z.B. der Papst präsentiert, dann spricht mich das einfach nicht an. Für mich hat das dann wenig mit dem Geist Jesu Christi zu tun. Vielleicht liegt hier ein Unterschied zwischen diesem alttestamentlichen Text und einem Glauben, der sich zuerst an Jesus orientiert. Jesus ist für uns der eine Hohepriester – aber nicht weil er ein herrliches Gewand trug, sondern weil er sich selbst für uns geopfert hat. Jesus trug ganz normale Alltagskleidung, er war einer von uns. Er trug nur einen Lendenschurz am Kreuz und zeigte doch am Kreuz die Herrlichkeit Gottes. Wenn wir als Christen mit Symbolen und Kleidung predigen wollen, dann muss das anders aussehen als diese herrlichen Gewänder der alttestamentlichen Priester.

| Bibeltext |

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