Exodus 24, 12-18 Die hohe Kunst der Theologie

von windhauch

Wenn man die Texte in Exodus genau liest, dann kann man verstehen, dass viele Forscher davon ausgehen, dass der uns vorliegende Text aus verschiedenen Quellen zusammengefügt wurde. Im vorigen Abschnitt ging Mose mit Aaron, seinen Söhnen und den Ältesten auf den Berg. Es wird nicht berichtet, dass sie wieder vom Berg herab kommen. Im Abschnitt ab V.12 macht sich jetzt plötzlich Mose mit seinem Diener Josua auf den Weg auf den Berg. Diese unerwarteten Übergänge lassen sich leichter erklären, wenn man von verschiedenen Quellen oder Traditionen ausgeht, die dem Text zu Grunde liegen und dann von einer Art Redakteur zusammengestellt wurden. Ein einzelner Erzähler hätte den Übergang sicher glatter gestaltet.

Ich empfinde diese Vermutungen nicht unbedingt als problematisch. Es bleibt Gottes Wort, auch wenn es aus unterschiedlichen Quellen zusammengefügt wurde. Problematisch finde ich allerdings in der theologischen Forschung, wenn sich die Auslegung eines Textes nur noch um solche formalen Fragen dreht. Es gibt genügend Kommentare, in denen die Texte in ihre Einzelteile zerlegt und formal auseinander genommen werden. Aber damit ist man dem Inhalt des Textes noch lange nicht näher gekommen. Oft werden Texte einfach zerlegt und dem eigentlichen Kern eines Textes, dem was der Text eigentlich uns sagen will, kommt man auch nicht annähernd auf die Spur. Und das ist doch eigentlich die hohe Kunst der theologischen Auslegung: nicht das Zerlegen in Einzelteile, sondern das Erfassen des Kerns!

| Bibeltext |

3 Personen gefällt dieser Artikel.

Verwandte Artikel