Exodus 14, 5-31 – Rätselhafte Verstockung

Ja, damit kommt so ein messerscharfer und logischer Denker wie Klaus Douglass nicht so zurecht: Damit, dass Gott das Herz des Pharaos verstockt und dass Gott (wegen diesem verstockten Herzen) diese schrecklichen Plagen über Ägypten schickt (bei der zehnten Plage stirbt jede männliche Erstgeburt!). Ich komm damit auch nicht klar, ganz und gar nicht.

Ich nehm es Douglass ab, dass er mit solchen Aussagen ringt und dass er sie nicht einfach aus der Bibel streichen will, aber letztendlich bleibt er bei seinem logischen und vernünftigen Denken und sagt: Solche Aussagen stimmen nicht mit dem in Jesus Christus offenbarten Gott überein. Und dann müssen wir, wie Luther, die Schrift von Christus her lesen. Platt formuliert heißt das dann für Douglass: „Ich glaube, der Autor dieses Textes ist etwas über das Ziel hinausgeschossen…“ (S.106) D.h. dass dieses Verstocken des Herzens des Pharaos (und auch die Tötung der Erstgeburt?) eine Übertreibung des biblischen Schreibers ist. Für ihn ist klar, dass die einzigen, die unser Herz verhärten, wir selbst sind. (S.107)

Ich finde diese Sicht okay und konsequent. Ich finde auch, dass wir manchmal mit der Schrift gegen die Schrift argumentieren müssen. Allerdings möchte ich auch gerne harte und unverständliche Bibeltexte einfach mal stehen lassen. Und ich denke, dass man das Thema Verstockung auch nicht so einfach auflösen kann, dass man dem Menschen alles in die Schuhe schiebt. Ich meine das ist gerade der Punkt bei der Verstockung, dass da etwas geschieht, was über rein menschliche Ablehnung Gottes hinausgeht. Da geschieht etwas unerklärliches und rätselhaftes.

Ich finde das Buch Exodus bringt dieses Rätselhafte ganz gut auf den Punkt, so wie die Verstockung des Pharaos an verschiedenen Stellen beschrieben wird. Da wird einerseits gesagt, das Gott das Herz des Pharao verhärtet (z.B. Ex. 7,3), dann gibt es Stellen wo einfach im Passiv formuliert wird, dass das Herz des Pharaos verstockt wurde (z.B. Ex. 7,13; wobei vom hebräischen Sprachempfinden her auch hier Gott als Urheber gehört wird), aber dann gibt es auch Stellen in denen gesagt wird, dass der Pharao selbst sein Herz verstockt (z.B. Ex. 8,11)! Verstockung ist etwas Seltsames und Unerklärliches, auch die Bibel selbst kann nicht genau sagen, wer denn nun daran „schuld“ ist: Der Mensch oder Gott, oder beide?

Ich möchte das lieber mal so unerklärbar und rätselhaft stehen lassen, als es dann gleich logisch aufzulösen und zu sagen: Natürlich ist der Mensch alleine schuld und verantwortlich für ein verstocktes Herz.

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2 Gedanken zu „Exodus 14, 5-31 – Rätselhafte Verstockung“

  1. hmm – sehr interessante Sache das…

    brainstorming:
    Gottes Gedanken sind nicht unsere Gedanken –
    nicht entweder / oder, sondern sowohl / als auch –
    solche Sachen verhindern gnädig, dass wir uns ein „Bild“ von Gott machen, dass wir uns dann in die Vitrine stellen –

    der Verrat und das Desaster des Judas hat die drastischen Leiden Jesu eingeleitet, obwohl er dreimal gebeten hat, dass dieser Kelch an ihm vorrübergehe – es gehörte aber alles unumgänglich zum großen Plan unseres liebenden Vaters…

    Segen

    1. Ja, irgendwie ist es bei der Verstockung (und nicht nur dort) ein „sowohl – als auch“. Natürlich hat der Mensch selbst die Verantwortung, wenn er sich von Gott abwendet und ihn nicht hören will. Aber zugleich stimmt es doch auch, dass Gott mir die Ohren und das Herz öffnen muss, damit ich mich ihm überhaupt zuwenden will.
      Und da kommen wir dann halt mit unserer menschlichen Logik an unsere Grenzen…

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